Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 4 (April 1911)
- Article
- Der preußische Kriegsminister und das Recht der Juden
- Date
- 1911-04-01
- Page
- 199 (sequence 2)
- Language
- German
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Der preußische Kriegsminisier und das Recht der Juden. 199 möglich zu nehmen ist, daß der Mann, der das verspricht, auch -den ehrlichen Willen hat, sein Wort wahr zu machen. Das ist der große Fortschritt, den die Verhandlung /int Reichstage uns diesmal gebracht hat. Die Frage lautet jetzt nicht mehr: „Will die Spitze der Militärverwaltung uns unser Recht werden lassen?", sondern nur noch: „Kann sie es?" Treten wir dieser Frage also näher. Daß das allgemeine Staatsinteresse nicht etwa der Erfüllung jenes Versprechens hinderlich ist, liegt klar zutage: auch wo das Recht der Juden in Frage kommt, gilt noch die alte Weisheit: „Die Gerechtigkeit ist das Fundament der Staaten." Wer unser Recht verletzt, verletzt das Recht; es gibt nicht zweierlei Recht, wie es nicht zweierlei Wahrheit gibt. ■ Da nun auch die übergroße Mehrheit des Volkes das bisherige Verhalten der Regierung gegen die Juden teils scharf verurteilt, teils nicht mehr für geboten erachtet, so stehen auch taktische Bedenken der Verwirklichung unserer Rechtsansprüche nicht mehr entgegen. Dabei soll aber noch ausdrücklich betont werden, daß taktische Bedenken niemals die Verweigerung eines Rechts begründen könnten! — Was hindert also den Kriegsminister, endlich unser papiernes Recht zum wirklichett zu machen, endlich dem unerhörten Zustande ein Ziel zu setzen, der es immer wieder geschehen läßt, daß zwar ein getaufter Jude ohne jede Schwierigkeit der Ehre gewürdigt wird, den Osfiziersrock zu tragen, niemals aber ein Jude, der es verschmäht, auf Kosten seiner Ueberzeugnug ttnd Mannhaftigkeit ein frivoles Spiel znit dem zu treiben, was unseren christlichen Mitbürgern das Heiligste ist? Fehlt es etwa unserer obersten Militärverwaltung an der Macht, ihren auf Verwirklichung von Gesetz und Recht abzielenden Willen durchzusetzen? Ist das möglich? Möglich in Preußen, dem Lande, das die disziplinäre Gewalt im Heere in einem für andere Länder unerreichten Maße ausgebildet hat?! Der Minister erklärte, er müsse vor der Freiheit der Wahl Halt machen. Gewiß, die Freiheit der Wahl wollen auch wir nicht angetastet wissen. Heißt das aber die Freiheit der Wahl ausheben, wenn die Kommandogewalt ihren Ein-