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Im deutschen Reich · 1911-02-01 · Heft 2 (Februar 1911) · p. 87

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 2 (Februar 1911)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1911-02-01
Page
87 (sequence 6)
Language
German
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Umschau. mit Nein stimmten sechs, Bruhu, Gräfe, Herzog, Raab, Rieseberg und Werner, einer enthielt sich der Stimme: Liebermann von Sonnenberg, die übrigen fünf, Graf-Weimar, Köhler, Lattmann, Roth und Crailsheim, fehlten. — Tag die Konservativen von solchen Parteigängern Lehnstreue, die leitenden Staatsmänner irgendwelche nennenswerte Unterstützung erwarten, ist ebenso wunderlich, als daß deutsche Bürger solchen unsicheren Kantonisten ihre Mandate anvertrauen und von derartigen Vertretern im Reichstage Gutes erwarten. Eine ganz eigentümliche Rolle spielt auch in der antisemitischen Bewegung der Reichstagsabgeordnete Amtsgerichtsrat Lattmann, der es mit seinem richterlichen Berufe vereinbar hält, in der Deutsch-Sozialen Partei statt des altersschwach gewordenen Abg. Liebermann von Sonnenberg eine führende Stellung einzunehmen. Diese Partei hat in einer großen Anzahl von Wahlkreisen eigene Kandidaten ausgestellt, kann aber nur auf Erfolge rechnen, wenn der Bund öer Landwirte wieder seine schützenden Fittiche über sie breitet. Dazu halten sich die Reichstagsabgeordneten lattmann und Liebermann von Sonnenberg durch ihre antisemitischen Arbeiten bestens empfohlen. Die Agrarier aber betrachten den Antisemitismus nach wie vor als eines ihrer nützlichsten Kampfmittel. Sie haben in dem ihnen verloren gegangenen Wahlkreise Labiau-Wehlau nachträglich ein Rundschreiben verbreitet, in dem sie unter Berufung aus Thron, Altar und Familie ihre Gesinnungsgenossen zu einem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Boykott gegen die liberalen Wähler auffordern. Sie erklären darin, dem Kreise sei der Fehdehandschuh hingeworfen und behaupten, daß Dankgottesdienste der jüdischen Gemeinschaft für den Ausfall der Wahlen stattgefunden hätten. Diese Behauptung ist, wie die „Königsberger Hartungsche Zeitung" feststellt, dreist erlogen. In dem Rundschreiben heißt es weiter: „Verkehrt und arbeitet nur mit Gleichgesinnten, besonders mit den Kaufleuten der Stadt, die den Mut besaßen, unseren Aufruf zu unterzeichnen. Haltet keine anders denkenden, unser Landleben und damit unsere Familie beschmutzenden Blätter. Beweist jetzt eure konservative EF-

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