Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-02-01
- Page
- 86 (sequence 5)
- Language
- German
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Im deutschen Dteicfj. 86 Jahre hindurch den Wahlkreis Marburg vertrag dort kürzlich wieder erschien, offenbar, um die Möglichkeit einer Wiederwahl zu prüfen. Daß Dr. Böckel einst die „Staatsbürger- Zeitung" durch die Worte: „Geschäft, alles Geschäft!" öffentlich des Geschäftsantisemitismus bezichtigt hat, mindert offenbar ihre Freude an seinem Wiederauftauchen nicht. Unter Kameraden ist ja alles egal! Die Freude ist übrigens eine sehr kurze gewesen, denn es sind dem Antisemitenblatt, wie es selbst berichtet, alsbald darüber von vielen Antisemiten Borwürfe gemacht worden, daß es die Kandidatur des deutschsozialen Rupp gefährde. In einem Briefe heißt es: „Damit schadet Böckel nur der deutschnationalen Sache und bringt Verwirrung in unser Lager. Herr Or. Böckel steht zudem den Reformern sehr nahe, und die haben hier fast jeden Boden verloren. Will etwa Böckel bei uns das gleiche traurige Gezänk verewigen, wie wir es leider Gottes in Rintelen—Hofgeismar—Wolfhagen erleben mußten! Jedenfalls hat er bei meinen Parteifreunden keine Sympathien. Veranlassen Sie ihn in seinem eigenen Interesse zum Rücktritt!" Auch hierbei zeigt es sich, daß bei den Antisemiten außer der Behandlung der Judenfrage wenig Gemeinsames vorhanden ist; der Parlamentswitz hat die Antisemiten im Reichstage die rrnö Rübenxarter" getauft, weil sie bei ihren Abstimmungen in den meisten Fällen gegeneinander stimmen. Sie rechtfertigten ihren Scherznamen auch wieder bei den letzten namentlichen Abstimmungen im Reichstag: Am 7. Dezember wurde über den Absatz 2 des Z 13 des Arbeitskammergesetzentwurfs namentlich abgestimmt; es handelt sich hierbei um die Frage, ob Arbeitersekretüre zählbar sein sollen oder nicht. Mit Ja stimmten hierbei von den 20 Antisemiten 16, mit Nein 3, nämlich die Abgeordneten Bruhn, Gräfe und Werner, einer, der Abgeordnete Köhler, fehlte. Bei der Abstimmung am 14. Dezember über den blau-schwarzen Schlußantrag für die Etatsberatung stimmten mit Ja — also für den Schluß — die acht Abgeordneten Behrens, Bindewald, Dr. Burckhardt, v. Damm, Gabel, Hanisch, Kölle und Vogt;