Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1911)
- Article
- Eine neue Versammlung gegen die Zurücksetzung der Juden im Heere
- Date
- 1911-02-01
- Page
- 73 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316804-2316807-2344462--21196-2344515- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Eine neue Versammlung gegen die Zurücksetzung usw. betonen stets, daß nur die Rasse der Grund sei und weisen aus die große Zahl ausländischer andersgläubiger Offiziere hin, die in unserer Armee kameradschaftlich verkehren. Diese Offiziere sind aber Gäste und werden als solche sehr gut behandelt. Die Behandlung wird erst dann eine andere, wenn es sich nicht mehr um Gäste, sondern um Konkurrenten des junkerlichen Offizierkorps handelt. Der Rassenantisemitismus ist in Deutschland zum Unglück des Landes schlimmer als in anderen Ländern verbreitet und führt dazu, alle Zurücksetzungen der Juden mit der Angehörigkeit zur semitischen Rasse begründen zu wollen. Es ist aber ein ungeheurer Irrtum, heute von einer reindeutschen Rasse sprechen zu wollen, da sich die verschiedensten Völker im deutschen Volk zu einer Einheit zusammengeschlossen haben. Der größte Teil der deutschen Juden ist ebensolange wie die reinsten Deutschen in Deutschland. Die jüdischen Mitbürger sind ebenso patriotisch gesinnt und von derselben Liebe für den Staat entflammt wie die große Menge der Deutschen. Andere Antisemiten behaupten wieder, daß unter dem Deckmantel der Religion nicht die Rasse, sondern die Konkurrenz der Juden bekämpft werde. Darin liegt eine schmeichelhafte Anerkennung für die Tüchtigkeit der Juden, wenn man aus Furcht vor der Niederlage den friedlichen Kampf mit ihnen nicht aufnehmen will. Man fürchtet in der Tat, daß in unsern jüdischen Mitbürgern eine Summe von Intelligenz, Gewissenhaftigkeit und Arbeitslust aufgespeichert ist, die man in gewissen höhergestellten Kreisen in Deutschland nicht in dem Maße findet. (Stürmischer Beifall.) Diese beiden Gründe, Rasse und Konkurrenz der Juden, werden aber nur äußerlich der dem Volke als Rechtfertigung der Zurücksetzung der Juden benutzt. Der tiefste Grund ist in dem Bestreben des Offizierkorps zu finden, eine aristokratische Schicht des preußischen Junkertums zu bilden, ein Bestreben, das zu dem jüngst in einem militärischen Werk ausgestellten Satze führt, das deutsche Offizierkorps werde immer aristokratisch bleiben. Daher ist der Kampf, mit dem die preußischen Junker die Juden vom Offizierkorps fernzuhalten suchen, nur -ein Glied in der Kette der Kämpfe, die die Aristokratie um ihre Vorrechte, nicht nur gegen die jüdischen Bürger, sondern auch gegen das christliche Bürgertum überhaupt führt.