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Im deutschen Reich · 1911-02-01 · Heft 2 (Februar 1911) · p. 70

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 2 (Februar 1911)
Article
Eine Stöcker-Biographie
Date
1911-02-01
Page
70 (sequence 5)
Language
German
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70 Im deutscheil Mich. Er hat mit ihr nur allzu großen Erfolg gehabt. Noch immer kranken wir an den von maßgebenden Stellen befolgten Borschriften Adolf Stöckers. Sein Bewunderer und Biograph Dietrich von Oertzen, der für dieses ungeheuerliche Auftreten eines Predigers der Wahrheit rund Liebe nur herzliche Anerkennung zeigt, hat uns von neuem zum Bewußtsein gebracht, daß diese in keinem anderen zivilisierten Laude geduldete Heuchelei und Gesetzwidrigkeit von dem Hosprediger herrührt. Ja, die Saat des Hasses und des Bornrteils hat er mit Erfolg ausgestreut. Die Keime des Antisemitismus, die er mit besonderer Vorliebe empftanzte, sind im deutschen Volke nur zu sehr aufgegangen, und wenn die deutschen Juden heute trauernd vor dem Unrechte stehen, das ihnen in den Gemütern ihrer christlichen Mitbürger weit mehr und viel schmerzhafter zugefügt wird, als durch die Zurnckdrängung im öffentlichen Leben, so haben sie das vor allem den psäfsisch verbrämten Angriffen Stöckers zu danken. Aber, hat „die Zurnckdrängung des jüdischen Einflusses" die Sittlichkeit in Deutschland gehoben? Ist die Zahl der Vergehen und Verbrechen seitdem geringer geworden? Nein und abermals nein. Das ganze Vorgehen Stöckers in dieser Richtung beruhte auf, sagen wir schonend: unbewußter Täuschung. Und seheir iutu nicht gerade in jüngster Zeit aus dem Schoße der evangelischen Kirche selbst furchtbare, entscheidende, immer gewaltigere Angriffe gegen das Kirchentum, gegen die Dogulenherrschaft erwachsen, die Stöcker verteidigte und vordem „Unglauben" retten luollle? Vorübergehend hat er mit der Hebung der Kckrchtichkeit Erfolg gehabt, aber nur vorübergehend. Sein Werk war ans Haß, Streit und Lüge gegründet, und deshalb hatte es keinen Bestand. Ebensowenig ist ihm der Kampf gegen den Sozialismus geglückt. Oertzen selber muß anerkennen, daß Stöcker die Arbeiter nicht zu fesseln verstand, daß sie bald fast bis ans den letzten Mann von ihm abfielen. Mächtiger als je ist nach ihm die Flut des Sozialismus angeschwollen. Und wenn eine verhältnismäßig kleine Minderheit der Arbeiter sich zum christlichen Sozialismus bekennt, hat dieser nach ihrer Auffassung doch mit der Stöckerei nichts zu tun. Denn diese war im Grunde stets konservativ, wie Oertzen solches wiederholt

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