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Im deutschen Reich · 1911-02-01 · Heft 2 (Februar 1911) · p. 69

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 2 (Februar 1911)
Article
Eine Stöcker-Biographie
Date
1911-02-01
Page
69 (sequence 4)
Language
German
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69 (5'inc 2 rörfer-Bi oqrap lne. dabei indirekt zum Hasse gegen sie und zu ihrer Verfolgung aufhetzte, die Lügenhaftigkeit, mit der er nach den Attentaten auf den greisen Kaiser im Jahre 1878 diesen gegen das ihm begeistert huldigende Berliner Volk aufzustacheln suchte (I, 176 s.). Oertzen selber muß Stöckers „Uebereiluug", sein „Schwanken", feine „Leichtfertigkeit" in Aussagen an zahlreichen Stellen zugeben — wir würden Leichtsinn und liuwahrhaftigkeit sagen. Er muß die lügnerische Aeußerung Stöckers anführen (II, 247): schon in der Römerzeit hätten die Juden ockiunr generis humani geheißen, während doch Taeitus dies gerade von den Christen aussagt. Er muß eiilgestehen, daß die Jndenhetzereieu der „reinen" Antisemiten urtb die traurigen Verfolgungen in Pommern und Westpreußeu Folgen von Stöckers Auftreten gewesen sind (I, 210, 212,848). Er kann nicht ableugnen, daß sein Held schließlich bei aller Welt Anstoß erregte: bei den Kaisern Wilhelm I., Friedrich III., Wilhelm II., bei dem Oberkirchenrat, bei den Konservativen, die ihn endlich aus ihrer Parteileitung ausschlossen, bei den meisten. Evangelischen und sogar bei den Evangelisch-Sozialen. Lange Zeit haben einflußreiche Mucker ihn vor den schlimmsten Folgen seines Treibens gerettet, so daß er mit loiederholten amtlichen Verweisen und Warnungen davonkam, bis ihn am Ende Kaiser Wilhelm II. am 29. Oktober 1889 seines Hofpredigeramtes entsetzte unb ihm auch später eiue beharrliche Abneigung bewies. Der „milde" Stöcker wollte keineswegs, wie die radikalen Antisemiten, eine gesetzgeberische Beschränkung der staatsbürgerlichen Rechte der deutschen Israeliten. Er wußte nämlich, dafür sei eine Mehrheit im Reichstag nicht zu haben. Das sei auch nicht nötig: die Gleichstellung solle und könne vielmehr auf dem Wege der Verwaltung rückgängig gemacht werden (II, 80, 249). Seinem stets mit der Unwahrheit paktierenden Wesen gemäß, wünschte er die Entrechtung der Juden aus einem Umwege, durch Widergesetzlichkeit itiib Berfassungsbruch zu erreichen. Man muß sagen, das ist weit verwerflicher als das Streben der radikalen Antisemiten, die wenigstens offen und aufrichtig verfuhren. Juuero U n w ahrh ästig keit, salb n n g s v olle r B r u ch d e r b e j d) \v o reue n B e r f a s s n n g —- das iu a r b i c 29 eise d e s „in o d e r n e n L n i 1} c r"!

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