Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1911)
- Article
- Eine Stöcker-Biographie
- Date
- 1911-02-01
- Page
- 67 (sequence 2)
- Language
- German
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Eine 31öckr-Bto gra v h ie, 67 richten, es zu Loben oder zu tadeln". 'Aber rnnr solchen Versprechungen hält er teilte. Er teilt vielmehr alle Leidenschaften und Vorurteile seines Helden in vollem Maße, geht mit ihm durch dick und dünn und gibt dessen einseitigen und oft sehr ungerechten Anschauungen in heftigster Weise Ausdruck. Das Buch ist das Werk eines reaktionären und antisemitischen Parteimannes extremer Richtung. Stöcker ist ihm der moderne Luther; mit dem großen Reformator vergleicht er ihn immer imb immer wieder. Er nennt den Mann, dem so oft Unwahrheit, ja fahrlässiger Meineid nachgewiesen worden, einen „edlen Wahrheitszeugen" (II, 35). Stöcker hat immer Recht gegen alle Gegner von rechts wie von links. Diese Gegner werden von Oertzen unbedenklich in schlimmster Art üesehimpft. Ludwig Lowe, der geniale Industrielle und allgemein geachtete Ehrenmann, ist ihm „ein ganz ungebildetes und minderwertiges Subjekt, der das Blaue vom Himmel herunterlog" ll, 279). Landgerichtsdirektor Lüty, unter dessen Leitung das Gericht unsanft mit Stöcker verfuhr, war ein „unfähiger Mann, der seinem Geschäft absolut nicht gewachsen war" (I, 307). Magistrat und Stadtverordnete Berlins sind lediglich von Eigennutz beherrscht (I, 345). Ebenso schlecht kommen auch die Führer der radikalen Antisemiten sowie der orthodoxe Pfarrer Witte fort; sie werden als elende und verwerfliche Mensehen gekennzeichnet (I, 348, II, 45). Der streng konservative Oberst von Krause ist, als er sich gegen Stöcker ausspricht, ein wetterwendischer Gunstjäger (II, 114). Eine liberale Stadrsnnode vollends ist eine „Räubersynode" (I, 118). Der Liberalismus kennt „keine anderen Gesichtspunkte als die des Gelderwerbs" (II, 263). Am schlimmsten wird die liberale Presse behandelt. Sie ist „schlecht", „vollkommen nichtsnutzig und gottlos" ll, 113, 156). Sie wird mit ungeheuerlicher Verallgemeinerung als „jüdische" Presse bezeichnet und gebrandmarkt; und wo solche Benennung ganz unmöglich ist, da müssen es doch „Judenknechte" sein. Es gibt natürlich nichts Verwerfliches, was Oertzen von dieser „jüdischen Presse" nicht aussagten „ekelhaft", „Feindin des christlichen Glaubens", „verlogen", „verleumderisch" und dergl. Dabei muß er unter den Gegnern Stöckers Blätter aufführen, bei denen es damals kaum einen jüdischen Redakteur gegeben har, wie die Nationalzeitnng, die