Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1911)
- Article
- Eine Stöcker-Biographie
- Date
- 1911-02-01
- Page
- 66 (sequence 1)
- Language
- German
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Im bcut)cf)cn Reich. Eine Stöcker - Urographie. Bon ilü r t t n P h il i p p s o n. Es ist ein geinagtes Unternehmen, jetzt schon die Biographie Adolf Stöckers zu schreiben. Die Leidenschaften, die Stöcker, selber ein leidenschaftlicher Mann, in sachlichen und Personenfragen angeregt hat, sind noch zu lebendig, als daß man von der einen oder der anderen Seite her seine Individualität und sein Wirten mit ruhiger' historischer Unparteilichkeit betrachten und darstellen tonnte. Die Aufgabe müßte doch darin bestehen, diesen Mann in allen Beziehungen unbefangen zu würdigen, ans seinem innersten Wesen heraus: mit seinem glühenden Eifer, seinem rücksichtslosen und oft bedenklichen Borgehen, seinem Verfahren nach dem Grundsätze, daß der Zweck die Mittel heilige, seiner hinreißenden, aber oft niedrigen Beredsamkeit, seinem grenzenlosen Selbstgefühl und Ehrgeiz. Man müßte seine Stellung innerhalb der kirchlichen und politischen Entwicklung sowie die Folgen seines Wirkens aus diese schildern. So würde man zu angemessener Auffassung seiner Verdienste um die momentane Wiederbelebung des kirchlichen Sinnes innerhalb der protestantischen Gemeinschaft Deutschlands, aber auch zur Verurteilung der Gehässigkeit und des Fanatismus gelangen, die er geflissentlich verbreitet hat, vielleicht in der Ueberzeugung, daß sie unvermeidlich seien zur Erreichung höherer Ziele. Indes von der Erfüllung aller dieser notwendigen Am forderungen an eine gerechte Lebensbeschreibung Stöckers, ist die Biographie weit entfernt, die Dietrich von Oerben soeben veröffentlicht hatsch- Oertzen ist von Hause ans strammer Konservativer, gab die „.Konservative Monatsschrift" heraus, 1896 übernahm er die Redaktion des Stöckerschen „Volk" und wurde, schon viele Jahre hindurch mit dem streitbaren Hofprediger bekannt, dessen intimer Freund. Bon diesem innerlichen Bande hat er sich auch als Biograph nicht frei zu machen gewußt. Freilich, er verheißt wiederholt „Unbefangenheit", lehnt es (I, 408) ab, „Stöckers Verhalten zu Z Adolf Stöcker, Lebensbild und Zeitgeschichten. 2 Bande Berlin 1910.