Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 3 (März 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / Schneider, M.
- Date
- 1911-03-01
- Page
- 154 (sequence 10)
- Language
- German
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154 Im deutschen Reich. gegenüber sei der richtige Standpunkt der: „Deutsche sind, die Deutsche sein wollen." Zu seinem eigentlichen Thema übergehend, erklärte der Redner, daß glücklicherweise die zahlreichen - Anhänger der d e u t s ch s o z i a l e n und der R eformparLei, die offen eine sinnlose Abneigung gegen Juden und Judentum zur Schau trügen, als organisierte Parteien in Deutschland nicht in Frage kommen könnten. Fluders verhalte es sich aber mit den Konservativen, die ursprünglich keineswegs antisemitisch gesinnt gewesen seien, sogar zumeist den Antisemitismus für unvereinbar mit einer vornehmen Gesinnung gehalten hätten, später aber durch den Bund der Landwirte aus die schiefe Ebene des Antisemitismus geleitet worden seien. Nachdem die konservative Partei mit dem Tivoliprogramm sich dem Antisemitismus im wesentlichen hingegeben habe, müsse man, auch wenn einzelne hervorragende Konservative die frühere vornehme Gesinnung noch besäßen, die sie doch in keiner Weise zur Geltung brächten, unbedingt daran festhalten, bei parlamentarischen Wahlen einem Konservativen ebensowenig wie einem radikalen Antisemiten seine' Stimme zu geben. Die Re ich spart ei, der ursprünglich Rothschild als Mitglied angehört' habe, bekenne sich auch jetzt noch nicht offen zu den Judengegnern, aber sie dulde doch, daß ihr Organ „Die Post" eine Sprache führe, die den alten Traditionen des Adels nicht entspräche und zur antisemitischen Depravation führen müsse. Auch bei der C e n t r u m s p a r t e i sei in ihrer Stellung dem Judentum gegenüber eine Verschlechterung eingetreten, seitdem sie selbst nicht mehr ähnlichen Zurücksetzungen ausgesetzt sei, wie die jüdische Bevölkerung, sondern eine Stellung erlangt habe, die man fast als Omnipotenz der katholischen Minderheit in Deutschland ansehen dürfe. Die Schuld an diesem Wechsel trage der Staat, der mit dem Kulturkampf einen großen Fehler begangen habe, indem er die religiösen Gefühle verletzte, was die katholische Gesamtheit zusammenschweißen mußte. Zu den Zeiten Windhorsts, Mallinkrodts, der beiden Reichensperger und Schorlemer-Alsts habe die Centrumspartei in der Judensrage sich in anerkennenswertester Weise verhalten. Jetzt, seitdem sie verstanden, die Konservativen an ihren Triumphwagen zu spannen, stießen auch viele Anhänger des Centrums in