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Im deutschen Reich · 1911-03-01 · Heft 3 (März 1911) · p. 141

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 3 (März 1911)
Article
Berlin
Date
1911-03-01
Page
141 (sequence 6)
Language
German
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Korrespondenzen. 141 fiefi'urtg, daß z. B. die Berliner jüdische Gemeinde jährlich viele Tausende Mark z itt Beschasfn n g des e i n io a n befrei r i L u e l l geschlachtete n Fleisches zu setzt, und daß die Geldopser in den kleinen Gemeinden im Verhältnisse noch weit schwerer sind/' — Was den in der „Deutschen' Tageszeitung" erwähnten Vorfall betrifft, bei dem ein unschuldiger Seminardirektor fälschlich als Antisemit verschrien worden sein soll, handelt es sich unserer Erinnerung nach um folgendes: Der „unschuldige" Seminardirektor, der übrigens in Pommern wirkte, beunruhigte seine Mitbürger zur Zeit der Konitzer Unruhen-durch die Ausstreuung, die Juden wollten die Christen zwingen, nur koscheres Fleisch zu essen, obwohl das für viele Christen einen Gewissenszwang bedeute, weil sie kein Fleisch von solchen Tieren essen wollten, die grausam zu Tode gemartert seien. Wir können auch heute dies aufreizende und ungerechte Vorgehen nicht billigen und glauben uns damit eins zu finden mit allen vorurteilslos Denkenden, welcher Partei und welchem Bekenntnis sie auch angehören mögen,. — Die „Staatsbürger-Zeitung berichtete kürzlich über einen angeblich auf dein Schlachtviehmarkte in St. Marx in Wien beim S ch äch ten eines Ochsen vorgekommenen schweren Unglückssall, der sich „nach Wiener Blättern" wie folgt ereignet haben soll: „Für Freitag war die Schlichtung einiger Ochsen eines jüdischen Fleischhauers bestimmt, der sich nicht, wie sonst üblich, seines Personals bedient, sondern zu diesem Zweck nur christliche Aushelfer verwendet. Beim Schächten wird bekanntlich (?) der Ochs an einem Vorderbeine aufgerissen, dieses aus der Schulter gedreht und hochgezogen, so daß das Tier auf die Seite fällt und dann am Rücken gedreht wird." Bei dieser Prozedur soll ein Aus- Helfer von dem am Boden liegenden Tiere einen Hufschlag gegen den Kopf erhalten haben und getötet worden sein. Dazu bemerkte die „Staatsbürger-Zeitung": „Die Schlächter taten alles, um den Vorfall zu vertuschen, damit ja nichts davon der Oeffentlichkeit bekannt wurde." — Die ganze Darstellung trägt den Stempel der Erfindung an sich und entstammt sicher einem antisemitischen Wiener Blatt. Das „bekanntliche" Ausdrehen der Schulter beim Schächten ist reiner Unsinn.

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