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Im deutschen Reich · 1911-03-01 · Heft 3 (März 1911) · p. 134

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 3 (März 1911)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1911-03-01
Page
134 (sequence 6)
Language
German
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134 Im deutschen Reich. Monarchen wiederholt zuteil wurde, und die Verleihung der Krone zu dem Roten Adlerorden 4. Klasse, mit oen dreisten Worten: „Neuerdings besucht der Kaiser gar den Katzenstein gelegentlich in seinem Geschäft. Wenn der Monarch dies für richtig hält, kann keiner dagegen etwas tun. Die Berleihuwg der hohen Auszeichnungen aber an einen Mann, der nichts weiter für sich hat, als daß er ein ganz pfiffiger Geschäftsmann ist, dürfte in weiten Kreisen der Bevölkerung nicht nur mit tiefem Staunen aufgenommen werden, sondern muß verstimmend wirken. Der Kaiser dürfte es zu würdigen wissen, wenn die verantwortlichen Ratgeber auf diese. Seite .des „Falles Katzenstein" aufmerksam machen würden." Die monarchische Gesinnung der Antisemiten wird durch solche Aeußerungen am schärfsten gekennzeichnet; sie hinderc diese angeblich loyalen Leute nie, dem Kaiser Vorschriften zu machen, die sich kein einfacher Privatmann ruhig gefallen ließe. Die radikalen Antisemiten würden aber gewiß. niemals solche Aeußerungen wagen, wenn nicht in der Adelskaste, selbst eine Fronde vorhanden wäre, . die zu den besten Kunden der S i mp l i z i s s i m u s -V e r k au f er gehört und jener ostelbischen Ahnen würdig ist, die.in einer Zeit der schwierigsten Bedrängnisse Friedrichs des Großen kampflos der russischen Kaiserin Elisabeth Huldigten und sich an den Spottmünzen ergötzten, die sie zur Verhöhnung ihres großen Gegners prägen ließ. Die verantwortlichen „Ratgeber" des Kaisers werden sich hüten, ihm in Privatangelegenheiten entgegenzutreten; von den Belästigungen durch die „unverantwortlichen" muß das Bürgertum ihn und das Vaterland durch rechte Erfüll u n g d e r W a h l p f l i ch t e n befreien und auch dadurch, daß es darauf dringt, daß bei Besetzung aller Staatsstellen künftig nicht mehr Abstammung und Protektion, sondern nur Charakter und Fähigkeit in Betracht kommen. Daß dies in der reaktionären Epoche nicht der Falt ist und nicht sein kann, bedarf so wenig der Ausführung, wie die Annahme, daß wir nur dann zu besseren Verhältnissen gelangen, wenn der Staat sich der Unfähigen entledigt. Daß diese „Binsenwahrheit" den Reaktionären nicht fremd ist, beweist die Wut, in die sie eine im Scherlschen „Tag" veröffentlichte Aeußerung Dr. Walter Rathenaus versetzt hat, daß die Fern-

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