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Im deutschen Reich · 1911-03-01 · Heft 3 (März 1911) · p. 135

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 3 (März 1911)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1911-03-01
Page
135 (sequence 7)
Language
German
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Umschau. l.°,5 Haltung der Juden von gewissen Staatsstelleu nicht ideelle Beweggründe habe, sondern daß die wahre Ursache lediglich in der Furcht der herrschenden blasse vor Konkurrenz zu finden sei. Die „Deutsche Tageszeitung" glaubt, dieser Behauptung die Spitze abzubrechen^ wenn sie sie als einen Ausfluß des angeblich zur Ueberhebung neigenden jüdischen Gei st e s angesehen haben will. Aber es ist unb bleibt doch eine unleugbare Tatsache, daß, wenn die radikalen Antisemiten und ihre konservativen Beschützer mit ihrem Latein zu Ende sind, sie stets unbefangene Leute damit in ihr Garn zu locken suchen, daß sie ihnen die geistige und kapitalistische Begabung der Juden in übertriebenster Weise als etwas schildern, was gewaltsam oder künstlich eingeschränkt werden müßte, wenn man dieser Konkurrenz nicht unterliegen wolle. Dieser Furcht, mag sie echt, oder aus taktischen Gründen übertrieben sein, wird auch in der „Kreuz- Zeitung" beständig Ausdruck verliehen. Sie schrieb am 5, Februar d. I. in einer „Können die Juden sich assimilieren?" überschriebenen Notiz: „Sollen wir sie (die Juden) ganz als unsres Gleichen ansehen, uns etwa gar von ihnen beeinflussen und regieren lassen? Das wäre unser eigenes Verderben. — Niemals! Dulden und achten wollen wir sie unter uns, aber unsres Gleichen können sie niemalswerden'" Letzteres mag richtig sein^ aber so weit geht der Ehrgeiz der deutschen Juden kaum, den Hinternlännern der „Kreuz-Zeitung" oder der „Deutschen Tageszeitung" gleich zu werden. Was wir wollen und erstreben, ist, gleiche Rechte mit allen deutschen Bürgern zu erlangen, nicht länger als Bürger zweiter Klasse behandelt zu werden und -künftig nicht mehr auf wenige Erwerbsgebiete beschränkt zu bleiben. Wir verlangen einen Platz an der Sonne, Raum für unsere Fähigkeit, ehrliche Anerkennung unserer Leistungen für Staat und Kultur! Von der Gewährung dieser billigen Forderungen wird das deutsche Volk keinen Schaden, sondern den größten Vorteil haben; denn wenn es irgendeine hervorragende jüdische Eigentümlichkeit gibt, so ist es die der D a n k b a r k ei t! A. L..

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