Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 3 (März 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-03-01
- Page
- 132 (sequence 4)
- Language
- German
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J 82 Im beutfcfyen Reich. Nathan der „Kreuz-Zeitung" wieder Gelegenheit gegeben, eine Probe gröbster Art des Antisemitismus zu liefern. In allen Versammlungen des Bnnöes der Landwirte, der die konservative Partei nach wie vor beherrscht, bilDet der Antisemitismus beit Grundton. In einer Pos euer Versammlung des Bundes sagte dieser Tage der Pfarrer Heckenroth: „Die Herren vom Hansabund verstehen nichts vom deutschen Familiensinn; ihr Familiensinn ist o r i e n t al i s ch"; in einer Versammlung in Weinheim der Geschäftsführer des Bundes für Württemberg, Abgeordneter Körner: „Im Bunde sind alle willkommen, nur die Juden dürfen nicht herein!" Der Vorsitzende einer konservativen Wahlversammlung in Königsberg i. Pr,, Prof. S a n io, begrüßte den bisherigen Reichstagsabgeordneten für Königsberg-Land-Fischhausen, Fürst Dohna-Schlobitten, mit den Worten: „Solche „Markgestalten" wie den Fürsten Dohna könne man brauchen, aber nicht „krüppelbeinige Hinkepoten" wie Haase (den früheren Reichstagsabgeordneten) und Lichtenstein. Die liberale Presse stehe im Dienste des Judentums, „um die krumme Nase drehe sich der ganze Liberalismus." Wenn die „Geldsäcke der Börsenjuden, die 40 unb mehr Prozent Dividende erhielten, nicht bis zum Platzen sich füllten, dann sei den Juden nicht wohl". Die preußischen Junker trieben keine Börsengeschäfte, sie hätten nur große Ideale. Am Schluß der Versammlung sprach ein Rittergutsbesitzer die Erwartung aus, daß der kommende Wahlkampf von konservativer Seite wie bisher in der „bekannten geraden und vornehmen Art" geführt werden möge. Die Vornehmheit dieser Kampfesart der Tivoli-Konservativen ist sattsam bekannt; sie macht es jedem deutschen Juden zur Ehrensache, seiner Wahlpflicht zu genügen, keinen Kandidaten dieser Gattung, sei es in der Hauptwahl oder in der Stichwahl, durch Fernbleiben von der Wahlurne zu fördern, sondern wo ein entschiedener Judengegner, ein Tivoli-Konservativer oder ein radikaler Antisemit, kandidiert, in der Hauptwahl für den aus s i ch ts v o llst en Kandidaten einer Gegenpartei zu stimmen, in der