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Im deutschen Reich · 1911-03-01 · Heft 3 (März 1911) · p. 125

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 3 (März 1911)
Article
Reminiszenzen eines alten Göttinger Korpsstudenten
Date
1911-03-01
Page
125 (sequence 3)
Language
German
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Reminiszenzen eines alten Göttinger Korpsstudenten. i2r> Innerhalb der Korps wurden allgemein wissenschaftliche Frager: behandelt, Politische Diskussionen fanden statt, ohne daß eine bestimmte Richtung in den Vordergrund gestellt wurde. Die speziellen Angelegenheiten der Korps in Beziehung zu den andern Korps und zur allgemeinen Studentenschaft bildeten den Brennpunkt der offiziellen und nichtoffiziellen Verhandlungen. Die Hauptgrundsätze waren die Wahrung der Ehre, sowohl der persönlichen als der des gesamten Korps, Liebe zum Vaterlande, innige aufopfernde Freundschaft und Liebe zu den Korpsbrüdern bei strammer Disziplin und Wahrung vor Irreleitung und Verführung jeder Art. Im allgemeinen wurde recht fleißig studiert. Daß es Ausnahmen gegeben, soll aber nicht in Abrede gestellt werden: auch die damals häufigen Mensuren zogen einzelne von ernster Arbeit ab. Das Ganze wurde beherrscht von einer jugendfrischen, frohherzigen, mitunter auch feuchtfröhlichen Stimmung. Von einem Hader wegen konfessioneller Verschiedenheit war niemals die Rede, weder zwischen Katholiken und Protestanten, noch zwischen diesen und Juden. Das Wort und der Begriff „Antisemitismus" war noch nicht geboren. Vertreter der verschiedensten religiösen Bekenntnisse waren brüderlich vereint, und aus vollen: Herzen klang das Lied: „So lange wir uns kennen Wollen wir uns Brüder nennen." Als dann die Scheidestunde schlug und wir das Band, das wir mit Stolz getragen, von der Brust nahmen, reichten wir uns noch einmal die Hand und gelobten uns Treue fürs ganze Leben. Der eine ging hierhin, der andere dorthin. Der stieg zu den höchsten Ehren, der blieb auf dem ruhigen, bescheidenen Wege. Der wurde früh vom Tode hinweggerafft und jener erreichte ein hohes Alter, aber in allen blieb jung bis zum letzten Atemzuge das alte -Burschenherz. Erst in den achtziger Jahren machte sich die Unduldsamkeit auch in den akademischen Kreisen breit, hineingetragen von außenstehenden übelwollenden Streitern. Die Juden sahen sich veranlaßt, sich von früheren Bekannten, selbst alten Schulfreunden, zurückzuziehen und blieben getrennt, um sich

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