Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1911-03-01 · Heft 3 (März 1911) · p. 122

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 3 (März 1911)
Article
Vorbildliche Abwehr
Date
1911-03-01
Page
122 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316804-2316808-2344312--21286-2344382
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

122 Im deutschen Reich. ferneren Lebensweg zu versperren und es, wenn möglich, rechtlos zu machen, oder von dem es argwöhnt, daß er außerhalb der Schulstunde den Juden verhöhne und verächtlich mache. Mit ihrer Versicherung, daß sie Politische Theorie und praktisches Verhalten streng auseinanderhalten, werden die Herren, so ehrlich gemeint diese Versicherung sein mag, weder bei Eltern noch Kindern den Stachel des Mißtrauens entfernen. Und wenn sie persönlich aus Rücksicht auf ihren Stand und ihre gesellschaftliche Bildung sich einer vornehmen Form der Agitation befleißigen, so werden sie auch dafür bei der Jugend kein Verständnis finden. Sie wird diesen Ton nach ihrer Art vergröbern und, wie Herr Geheimrat Haarmann treffend angeführt hat, in einem als antisemitischen Führer bekannten Ordinarius die Berechtigung sehen, die jüdischen Schüler der Klasse zu verachten und zu verhöhnen. Das ist nicht eine grundlose Befürchtung, sondern wir könnten aus früheren Jahren Beweise dafür anführen. Hierin sehen wir die größte Gefahr: nicht in dem antisemitischen Lehrer, sondern in den mit der Berufung auf ihn sich antisemitisch gebärdenden Schülern, in der Vergiftung der Schule und der Jugend. Zur Ehre der antisemitischen Lehrer und derer, die sie verteidigen, nehmen wir an, daß sie nicht ahnen, wie es in der Seele eines jüdischen Kindes in antisemitischer Umgebung aussieht, wie die ihm die schönsten Jugendjahre vergällt und vergiftet. Die Berufung auf Prof. Förster, einen der erstem: Antisemitenführer, ist nicht ganz glücklich, denn er bildet gerade eine der fatalsten Erinnerungen der antisemitischen Bewegung. Angeekelt durch das Treiben seiner Parteigenossen, erklärte er 1897 seinen förmlichen Austritt aus der 'deutsch-sozialen Fraktion, indem er als Grund ihre politische Impotenz angab und erklärte, daß die Zugehörigkeit zu einer Partei wertlos sei, die nur mit oberflächlichem Radau und verbrauchten Schlagworten arbeite. Er gab seinen Lehrerberuf auf und ging nach Südamerika. Ob dies eine Folge des Einschreitens feiner Vorgesetzten Behörde war, können wir im Augenblick nicht feststellen, aber das steht fest, daß die Schulbehörde unzweideutig zu erkennen gegeben hat, daß antisemitische Agitation sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.