Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 3 (März 1911)
- Article
- Vorbildliche Abwehr
- Date
- 1911-03-01
- Page
- 123 (sequence 4)
- Language
- German
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Reminiszenzen eines eilten Göttinger Korpsstudenten. 123 mit dem Lehrberuf nicht verträgt; daß der alte Kaiser Wilhelm sie auch eines Geistlichen schließlich für unwürdig gehalten hat, haben ja die kürzlich veröffentlichten Briefe über den Sturz Stöckers gezeigt. Die jüdischen Stadtverordneten Heinemann und Sternau denken, wie sie nachdrücklich betont haben, so wenig wie irgendein anderer Jude daran, irgendeinen Menschen in seinen politischen Rechten zu stören, aber sie haben ihr gutes Recht als Juden gewahrt, als sie gegenüber dem Herrn Oberbürgermeister und Vorsitzenden des Kuratoriums für die städtischen höheren Schulen ihrer Beunruhigung über die neu erwachende antisemitische Agitation Ausdruck gaben. A n t i s e m i ti s m u s in d e r S ch ule i ft ein Schade, ein K r e b s s ch a d e. Man bekämpfe den jüdischen Fortschrittler oder Nationalliberalen, so heftig man will, kein Jude wird sich darüber beklagen. Aber man verfolge ihn nicht als Juden! Niemanden sonst bekämpft man um seiner Abstammung willen, nur der Antisemitismus tut es gegenüber den Juden, -und das wollen sie sich nicht stillschweigend gefallen lassen in einem Staat, in dem sie mitzuarbeitcn nach ihren Kräften bemüht sind." Wir haben diesen Artikel aus dem Grunde zum Abdruck gebracht, weil derartige Vorfälle, wie sie in Dortmund Anlaß zu erregten öffentlichen Debatten gegeben haben, auch sonst leider noch häufig sind, und weil 'in diesem Fall die mit Klugheit und Würde geführte Verteidigung die besten Erfolge gezeitigt hat. In allen Fällen empfehlen wir daher ein ebenso entschlossenes, energisches und würdevolles Vorgehen. □ * Hleminrszenzen eines alten Köttinger Korpsstudenten: Geboren in einer kleinen Provinzialstadt, wurde ich als Kind frommer Eltern, die in streng ritueller Weise lebten, .in denselben Grundsätzen erzogen. Meine Spielkameraden waren ausschließlich unsere christlichen Nachbarkinder. Anfechtungen auf konfessioneller Basis gehörten zu den