Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1911)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1911-01-01
- Page
- 45 (sequence 9)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 45 sei aber kein wirtschaftlicher Schaden, sondern im Gegenteil ein wirtschaftlicher Fortschritt. Der Verfasser habe ferner die Fabel von der wirtschaftlichen Macht der Juden betont; dagegen erklärte der Vortragende, es müsse Sorge getragen werden, daß endlich mit dieser Fabel aufgeräumt werde, daß die Juden der ganzen Welt Zusammenhängen, ein großes Gesamtvermögen hätten und damit die anderen Völker zu unterjochen suchen. Vollkommen falsch sei es auch, den Juden Mangel an Heimatsgefühl vorzunehmen, denn die Inden wandern erst dann ab, wenn sie wirtschaftlich von ihrer Umgebung ausgehungert werden. Der Vortragende wies auch die Zumutung des Verfassers des erwähnten Buches zurück, daß die Juden sich politisch der nicht antisemitischen sreikonservativen Partei anschließen müßten, eine Kartei, deren Vertreter, wenn in Parlamenten die Rechte der Juden Gegenstand der Erörterung gewesen, nach jeder Richtung versagt hätten. Auch die Lockartikel der Kreuzzeitung könnten die Juden nicht aus den Gedanken bringen, daß der Judengegnerschaft letzte Stunde gekommen sei. Wenn es Leute gebe, die sich durch jene Lockartikel einsaugen lassen und Anschluß an Parteien suchen, in denen man sie gar nicht ernstlich wünscht, so sei dies aus Kammerknechtschaft und Ghettospuren zurückzuführen, weil solche Leute noch nicht kräftig und stark genug seien, in der Wertung des eigenen ehrlichen Namens die erforderliche Befriedigung zu finden. Die Juden dürfen nur dort Anschluß suchen, wo man sie nicht als Schutzjuden, sondern als Staatsbürger ausnimmt. Mit großem Nachdruck betonte der Redner, wie richtig es sei, wenn Klage geführt werde, über das Fehlen eines jüdischen Abgeordneten im Reichstage, der bereit und geeignet sei, die Forderung der Gleichberechtigung seiner Glaubensgenossen, zu vertreten. Den in Frage kommenden politischen Parteien müsse gezeigt werden, daß die deutschen Juden eine Vertretung durch einen selbstbewußten und energischen Juden verlangen. Der Behauptung des Autors des erwähnten Buches, daß jüdischen Ausländern die Naturalisation in Preußen lediglich aus dem Grunde versagt werde, weil sie nicht Deuts che seien, stehe die auffallende Tatsache entgegen, daß z. B. in Oberschlesien mittellosen polnischen Arbeitern, sobald sie nur 8 Tage in Deutschland seien, die Ausweisung angedroht werde, wenn sie sich nicht naturalisieren lassen. Den