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Im deutschen Reich · 1911-01-01 · Heft 1 (Januar 1911) · p. 30

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 1 (Januar 1911)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1911-01-01
Page
30 (sequence 8)
Language
German
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30 Im deutschen Reich. taktischen Fehlern der Konservativen lernen und sich hüten werden, sich für eine verlorene Sache einzusetzen. Das Zentrum ist bereits dadurch von den K o n s e r v a i i o e n a b g e r ü ck t, daß ihr Organ, die „Germania", sich ziemlich energisch gegen die Wünsche des Herrn v. Heydebrand erklärte, der von dem Kanzler ein neues Sozialistengesetz forderte. Wenn die „Germania" ihre Genugtuung darüber ausspricht, „daß der Reichskanzler den gefährlichen Weg der Ausnahmegesetzgebung nicht zu betreten gedenkt", ist dies ein Strich durch die Rechnung des schwarzblauen Blocks und sehr wahrscheinlich eine Folge der Erfahrungen, die das Zentrum bei der Landtags ersatzwahl in Breslau gemacht hat, bei welcher der Umschwung in der Volksstimmung sichtbar zutage trat. Das Zentrum sollte wieder in die Bahnen einlenken, die ihr die früheren Führer Windthorst und Lieber vorgezeichnet hatten, deren staatsmännische Klugheit ihnen nie gestattet hätte, eine Einschränkung der Rechte der M i n o r i t ä t e n zuzulassen. Es muß und wird bei künftigen Wahlen für jeden charaktervollen Juden der springende Punkt sein, nach seiner freier: p o l i t i s ch er: U e b e r z c u g u n g a l s deutsche r S t a a t s b ü r g e r sein Wahlrecht auszuüben, aber auch seiner Manneswürde als Jude eingedenk zu bleiben, wenn es gilt, einen Kandidaten zu bekämpfen, der als Antisemit oder als vorurteilsvoller Konservativer uns zu Bürgern zweiter Klasse herabwürdigen will. Wo ein solcher Kandidat aufgestellt wird, darf ein Staatsbürger jüdischen Glaubens weder der Wahlurne fernbleiben noch irgendein Bedenken hegen, dem Gegenkandidaten, der die besten Aussichten hat, gleichviel, welcher Partei dieser angehört, seine Stimme zu geben; denn der Antisemit ist die größte Gefahr nicht etwa nur für die Juden, sondern für den Frieden und die Wohlfahrt des deutschen Vaterlandes! Es ist nicht unmöglich, daß der antisemitische Herausgeber der „Wahrheit", Wilhelm Bruhn, durch die Anhänglichkeit der Wählerschaft im Wahlkreise Arnsrvalöe-Lrieöeberg und die Gönnerschaft antisemitisch angehauchter Agrarier abermals das Mandat -erlangt, das vor ihm einst sein Gesinnungs-

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