Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-01-01
- Page
- 29 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 29 voller Kürze: „Standesvorrechte dürfen nicht bestehen. Auch um des Glaubens willen dürfen Zurücksetzungen im Heere nicht erfolgen. Ich verweise in dieser Beziehung auf die Protestresolution unserer jüdischen Mirbürger, die jüngst wieder die Zurücksetzung im Reiche als verfassungs- und reichsgesetzwidrig bezeichnet haben." Man darf es als ein Zeichen der Zeit ansehen, daß selbst das ehemalige Organ Stöckers, das „Volk", aus Anlaß der Ausstellung eines konservativen Kandidaten im Wetzlarer Kreise erklärte: „Die Sympathie der großen Masse des Volkes für die Konservativen ist sehr gering und wird noch weiter sinken," und daß im Wahlkreise Kassel-Melsungen auch der Jnnungsausschuß als Vertreter von 2000 Handwerkern die Reichstagskandidatur des nationalliberalen Landtagsabgeordneten Dr. Schröder unterstützt, der Aussicht hat, den antisemitischen Am ts g er i ch ts r a t L attm an n zu verdrängen. Als dieser Politiker am 21. November in einer von Pros. Helmke geleiteten Antisemitenversammlung (der -ersten solchen in Dortmund), einen Vortrag hielt, sagte er u. et., die Juden müßten von allen Berufen, in denen ihre Eigenart für unsere Kulturentwickelung schädlich sei, namentlich von den gesetzgebenden Körperschaften, vom Richterstande, vom Ofsizierstande und vom Berufe eines Lehrers an öffentlichen Schulen serngehalten, die Einwanderung von Juden müßte gesetzlich verboten und auch keine Hausiergewerbeseheine an Juden abgegeben werden. Dazu bemerkte das „Dortmunder Tageblatt": „Aus dieser Blütenlese antisemitischer Forderungen, die die volle Billigung der unter Vorsitz des Professors Helmke tagenden Versammlung fand, ist doch Wohl zu ersehen, wohin die Reise der hiesigen Judenfresser mit Herrn Helmke an der Spitze geht. Angesichts solcher Bestrebungen sollen nun unsere jüdischen „Mitbürger geduldig still halten und sich feige ducken!" In Dortmund und auch bei der Etatsberatung im Reichstage trug aber der Amtsgerichtsrat Lattmann sorgsam zusammen, was man im Zentrum gern hört; ihm ist natürlich bewußt, daß die meisten antisemitischen Mandate bei der nächsten Reichstagswahl nur dann erhalten bleiben können, wenn ihnen die Gnadensonne der Zentrumspartei lächelt. Indessen ist von den klugen Führern der Zentrumspartei zu erwarten, daß sie von den