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Im deutschen Reich · 1911-01-01 · Heft 1 (Januar 1911) · p. 28

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 1 (Januar 1911)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1911-01-01
Page
28 (sequence 6)
Language
German
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8 Im deutschen Reich. licher Verhältnisse zusammenzustehen gezwungen sein wird. Ein Judensproßling, Stuhl alias Schlesinger, hatte der konservativen Partei ein Programm gegeben, das ihr Erfolge sicherte, aber mit dem antisemitischen Tivoli-Pro g r a m m wurde sie den vornehmen Traditionen untreu, und mußte sie auf weite Kreise abstoßend wirken. Die häßlichen antisemitischen Späße, mit denen der konservative Agitator den liberalen Kandidaten bekämpfte, dem es als „dunkler Punkt" angerechnet werden sollte, daß sein Großvater mütterlicherseits ein Jude gewesen und daß ein Betrunkener einmal gegen ihn tätlich gewesen, haben die Wühler in Labmn-Wehlan nur angewidert. Der bekannte Professor Suchsland aus Halle, der kürzlich als Kandidat der Konservativen und Antisemiten in Erfurt in einem Vortrag seine Hörer mit antisemitischen Ausführungen zu gewinnen suchte, erregte selbst bei anwesenden Konservativen Mißfallen, als er die Behauptung, der Hansabund neige sich der Sozialdemokratie zu, damit zu begründen suchte, daß der Führer der radikalen Sozialdemokratie der jüdische Rechtsanwalt Haase- Königsberg, der Führer der Revisionisten der jüdische Rechtsanwalt Frank-München und der Führer des Hansabundes der jüdische Jusiizrat Rießer sei. An dem Antisemitismus dieser Art leiden voraussichtlich die Konservativen Schissbruch; ihre den Deutsch-Sozialen ab gelernte Kampfesweise macht sie bei vielen geradezu lächerlich. Als die „Deutsche Tageszeitung" eine Zuschrift eines a n g e b l i ch höheren Offiziers veröffentlichte, in welcher die Frage: „Weshalb k ö n n e n I u b c n keine Offiziere w erde n?" damit beantwortet wurde, „weil im Kasino nicht koscher gekocht, ein jüdischer Offizier an acht Feiertagen keinen Dienst tun würde, und weil er am Weihnachtssest nicht die übliche Festrede halten könne", — da wurde vielseitig den Witzblättern höhnisch geraten, sich uw 'diesen geistreichen Mitarbeiter schleunigst zu bemühen. Dagegen sind die bei der Etatsberatung von dem freisinnigen Abg. Wieiner über die Besetzung der Gffiziersstellen gemachten Ausführungen von der Linken des Hauses mit wiederholtem lebhaftem Beifall belohnt worden und von der Rechten unbeantwortet geblieben. Er erklärte in wirkungs-

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