Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-01-01
- Page
- 27 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316804-2316806--21126-2344261- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. Laß sie annehmen, man könne es mit dem Hep-Hep-Geschrei taub für die Forderungen des Rechts und der gesamten Volkswohlsahrt machen. Daß ihnen, die bei der Agrarier-Heerschau im Zirkels Busch schon oft bei öden antisemitischen Clownwitzen vor Vergnügen gröhlten, diese Kapriolen jetzt noch nicht zuwider geworden sind, zeigt der Uebermut der radikalen Antisemiten, die auch einmal zur Abwechslung ihrem konservativen Publikum Grobheiten sagen. Es geniert aber die Konservativen anscheinend nicht, wenn die „Staatsbürger-Zeitung" schreibt: „Wir haben heute keine Regierung, die s i ch u m d i e N o t des .Mitte l st a n d e s er n st h a s t kümmert; wir haben keine Regierung, die den Volksverderbern und Bolksverhetzern ernsthaft entgegentritt. Wir wollen auch gar nicht die Tatsache breittreten, daß bei der Ha n dw er k s i nt er p el lati o n im Reichstage der große Saal von Abgeordneten fast völlig geleert war und daß die paar, die anwesend waren, sich so ungeniert unterhielten, daß der Referent kaum auf den Tribünen verständlich wurde. Aber solche scheinbaren Kleinigkeiten Wersen doch grelle Lichter auf die Klage des Mittelstandes, daß man gar nicht den W i l l e n hat, sich seiner a n z u n e h m e n. Wir missen, daß wir schwere Vorwürfe erheben. Und wir tun das wahrlich nicht leichten Herzens. Aber uns jammert die Not der Zeit, uns beschleicht ein gewisses Angstg e s ü h l, wenn wir daran denken, daß im nächsten Reichstage der Liberalismus maßgebend sein könnte. Es gehört ein verzweifelter Mut dazu für den kleinen Mann in den Städten, in seinem Kampf gegen die Großbetriebe, das Judentum und ben Terrorismus nicht nur der Sozialdemokratie, sondern ebenso auch des Freisinns, immer noch den nationalen und wahrhaft konservativen Gedanken zu pflegen und hochzuhalten!" Also ahnt selbst die „Staatsbürger-Ztg.", daß die Tage des klerikal-konservativen Regiments gezählt sind; die Abstimmungen in der jetzigen Reichstagssession haben mehrfach gezeigt, daß die Sammelrufe von konservativer Seite nahezu wirkungslos verhallt sind. Der aus der Mitte der Rechten erklungene Spottruf vom „rosaroten Block" war nur das Zugeständnis, daß selbst in dem jetzigen Reichstage eine Opposition vorhanden ist, die unter dem Druck fast unerträg-