Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1911-01-01 · Heft 1 (Januar 1911) · p. 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 1 (Januar 1911)
Article
Die Rheinisch-Westfälische Woche
Date
1911-01-01
Page
9 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316804-2316806-2344202--21104-2344243
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Rheinisch-Westfälische Woche. 9 dich -auch eine Steigerung der Opferfreudigkeit, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Insbesondere zeigte es sich, daß allenthalben die antisemitisch wirkende Tätigkeit des Deutsch-nationalen Handlilngsgehilfen-Verbandes mehr gewürdigt und in Zukunft zu einem intensiveren Einschreiten unserer Ortsgruppen führen wird. Das Einzelmaterial, welches in den Diskussionen gerade nach dieser Richtung hin vorgebracht wurde, war wertvoll genug, um den Vorstand des Vereins für die Zukunft in der Bekämpfung der unheilvollen Bestrebungen des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes wichtige Anregungen zu geben. In der Herforder Versammlung betonte in der Diskussion insbesondere Herr Prediger L i e p m a n n s o h n aus Minden in einer von warmer Liebe zur Sache durchwehten Ansprache, daß es unbedingt erforderlich sei, in Zukunft unmittelbar in offener und nachdrücklicher Weise an die Ministerien heranzutreten und sie energisch auf ihre Pflicht aufmerksam zu machen. Sie müßten daran gemahnt werden, die von ihnen beschworene Verfassung in allen Punkten durchzuführen und nicht den in der Verwalrungsprellerei liegenden Verfassungsbruch durch ihre tätige Beihilfe gewissermaßen zu sanktionieren. Des weiteren war Herr Prediger Liepmannsohn auch mit dem Auftreten der jüdischen Abgeordneten in den Parlamenten, namentlich in bezug auf die Militärfrage, durchaus nickt einverstanden. Er meinte, daß mit der einfachen Betonung der Ungerechtigkeiten, die in dieser wie in vielen anderen Fragen zutage getreten sind, nicht genug getan sei; man müsse vielmehr in viel lauterer und deutlicherer Weise den von uns einzunehmenden Rech tsstandpunkt betonen und erbarmungslosgeißeln, wenn es vom Ministertische so hingestellt werde, als würde den Juden schon jetzt Gerechtigkeit zuteil. Vielfach wurde auch in den stattgehabten Diskussionen das Gebiet des wirtschaftlichen Antisemitismus gestreift und hervorgehoben, daß es zu einer Hauptaufgabe des Vereine gehöre, in Zukunft mit allen Mitteln der immer mehr zunehmenden Ausschließung der Juden ans den größeren kaufmännischen und industriellen Betrieben entgegenzutreten. Dies läßt sich aber lediglich durch ständige aufmerksame Tätigkeit der Ortsgruppen erreichen, da nur diese auf Grund ihrer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.