Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- Eine Massenversammlung wider die "Judentaufen"
- Date
- 1910-12-01
- Page
- 806 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2316602-2316791-2316803-2344071--21022-2344140- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
806 Im deutschen Reich. und Genuß zu verschaffen; sie an Arbeit, Ehrgefühl mib Innerlichkeit zu gewöhnen, sei vielmehr die erste Forderung einer guten und wahrhaft sittlichen Erziehung. Was sollen von ihren Vätern Kinder denken, die von ihnen zur Verachtung ihrer Abkunft erzogen werden? Oft käme es dann vor, daß die Kinder nirgends Anschluß fänden, aus ihren Kreisen hinausgerissen würden und obendrein später den Eltern bittere Vorwürfe machten. Wenn auch der Staat in vielen Fallen den Meineid, die Untreue und die Charakter-' losigkeit fördere, um Ehren und Würden zu verleihen, so sei es doch eines aufrechten Mannes unwürdig, aus Ehrgeiz und Strebertum, aus Eitelkeit und anderen äußeren Gründen die jüdische Gemeinschaft zu verlassen. Pflicht sei es vielmehr, der unberechtigten Herabsetzung des Judentum entgegenzutreten, die nicht nur nach außen, sondern auch nach innen so viel Unheil bringt. Nicht immer habe das Judentum nur Antipathie und Verachtung erfahren. So wie berühmte Herrscher aller Völker und aller Zeiten, von Chrus und Alexander dem Großen an, über Cäsar und Karl den Großen bis zu Heinrich IV. und dem Großen Kurfürsten den Juden Achtung und Wohlwollen entgegenbrachten, hätten auch Männer der Wissenschaft, an ihrer Spitze Kant und auch Goethe, für die Religion des Judentums die größte Bewunderung empfunden. Tatsächlich gäbe es auch keine reinere Ethik als die jüdische, nach der die Seligkeit des Menschen nicht von dem Glauben an eine bestimmte Person abhänge, sondern ausschließlich von der sittlichen Lebensführung. „Wir glauben nicht, daß die Zeit der Erlösung, die Zeit des Messias bereits gekommen sein kann: Mehr als je stehen die Menschen heute im Kampfe einander gegenüber, die Völker seufzen unter der erdrückenden Last von Rüstungen zu Kriegen, die vorbereitet werden. Der Glaube an den einzigen Gott verkündet, daß die messianische Zeit erst dann gekommen sein wird, wenn alte Menschen von Sittlichkeit, von Streben nach Vervollkommnung und von Friedensliebe erfüllt fein werden." Bisher gäbe es aber noch kein Land in Europa, wo den ruhelos Gehetzten eine Heimat angeboten werde. Und doch ist der Jude kein Fremdling: er lebt so lange wie die Germanen, die aus Asien hinüber gewandert sind, in Deutsch tand. Ihn als Fremdling 311 bezeichnen, sei eine Unwahr---