Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- Eine Massenversammlung wider die "Judentaufen"
- Date
- 1910-12-01
- Page
- 805 (sequence 2)
- Language
- German
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Massenvers ammlung wider die „Judentaufen". 805 Ehrenämter zu übertragen, da dies für das Christentum gefährlich fei; nicht zumindest auf sein Wirken ist auch die Verfolgung der Juden in Spanien zurückzuführen. In gleicher Weise waren es die Renegaten Pfefferkorn und Viktor von Karben, die zur Zeit - des Humanismus unheilvoll wirkten und alle Bestrebungen der deutschen Humanisten zugunsten der Juden zuschanden machten. Und wenn wir uns jetzt anläßlich der Jubiläumsfeier der Berliner Universität mit Stolz daran erinnert haben, daß ihr Begründer ein Schüler des Juden Moses Mendelssohn war, der in Gemeinschaft mit seinem Bruder und einem Prinzen von Preußen an jedem Morgen zu den Vorlesungen dieses milden Weltweisen eilte, so müssen wir zugleich mit tiefer Beschämung eines anderen Berliner Rechtlehrers gedenken, des getauften Juden Stahl, der die Lehre vorn „Christlichen Staat" aufs neue verkündet und die Forderung aufgestellt hat, daß der Genuß der bürgerlichen Rechte von der Unterwerfung unter ein bestimmtes Religionsbekenntnis abhängig zu machen sei, eine Forderung, die nur die rückschrittlichen Parteien bis in die Gegenwart hinein in ihrem Parteiprogramm belassen haben. Nicht anders verhalt es sich mit den Renegaten unserer Zeit. Nur äußere Gründe sind es, die sie veranlassen, dem Judentum den Rücken zu kehren, ohne daß sie freilich oft den Mut haben, ihren Abfall Juden gegenüber einzugestehen. Beschämend sei allerdings oft auch das Verhalten der andersgläubigen Geistlichen; so habe ein Geistlicher zwei Stunden, nachdem ihm vom Redner mitgeteilt worden war, daß ein Täufling nach seinen eigenen Worten für das Christentum nichts übrig habe, ja sogar eine Antipathie ihm gegenüber empfinde, dennoch anstandlos die Taufe an diesem vollzogen. Tief zu beklagen sei ferner, wenn die Missionsgefellschaft Not und Elend, Armut und Verzweiflung unserer Glaubensgenossen in Galizien, Rumänien und Rußland dazu ausnutze, um die Taufe Herbeizufuhren, selbst wenn hierzu erhebliche Kosten nötig sind. Das beschämendste Kapitel sei aber gegenwärtig die so häufige Erscheinung der Ki n d e r ta u f e n, der wir fast ausschließlich in den bemittelten und gebildeten Stünden begegnen. Rächt daraus kommt es an, den Kindern nur Bequemlichkeit