Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- Der Prozeß gegen die "Wahrheit"
- Date
- 1910-12-01
- Page
- 801 (sequence 8)
- Language
- German
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Der Prozeß gegen die „Wahrheit". 801 „S taatsbürger - Zeitun g", insbesondere durch die, in welchen jüdische Personen der Täterschaft verdächtigt lu orden, in hohen: M atze angestachelt wurden. Dieser Umstand muß bei der Strafbestimmung berücksichtigt werden. Es kann den Angeklagten nicht zugute gehalten werden, daß sie von einem bestimmten Parteistandpunkte aus vorzugehen hätten. Es muß demgegenüber bemerkt werden, daß sie auch von diesem Standpunkte aus die Ehre der Mit m e n s ch e u z u achten h a b e n und namentlich da, wo sie sehen, welche schweren und traurigen Folgen durch Angriffe auf die Ehre der Mitmenschen entstehen. Den Angeklagten ist es im Eingänge der Verhandlungen vom Gerichtshöfe nahegelegt worden, das Unglück, das ungerichtet war, dadurch wieder gutzumachen, daß sie ihr Unrecht eingestehen. Die Angeklagten haben dies nicht getan; sie haben auch die Erklärung hinsichtlich des Bürgermeisters Deditius und des Kaufmanns Großmann erst nebenher und nachträglich abgegeben, und haben erklärt, den Beweis der Wahrheit führen zu können; sie haben auch sämtliche Borwürfe gegen Beamte, diese minutiösen Angriffe, zum Gegenstand der Verhandlung gennacht, a l s w o l l t e n sie die Beamten zur R e ch e n s ch a f L z i e h e n. D a m i t h a b e n die A n g e k l a g t e n d o k u m entiert, d a ß s i e heute auf d e:n selben S t a n d p u n t i e ft c I) e n , it n d a u ch b t e s irt it ß t e b e i der Straf b e nt c s s u n g b e - r ü cksichtigt m erde n." Daß'Herr Bruhn auch später nie daran gedacht hat, sein Unrecht einzugestehen, daß auch bei seiner späteren Preßtätigkeit nicht nur der Judenhaß, sondern auch jene Rücksichtslosigkeit, die über Leichen gefühllos weiter schreitet, befiimmcnb war, ist unverkennbar. Man braucht mit auf seine Bekämpfung der Großbanken und Warenhäuser, der Hamburg- Amerika-Linie sowie auf die persönliche Verunglimpfung Ballins und die skrupellose Annahme der Inserate der schwer Verletzten hinzuweisen, fernerrauf sein Verhalten solchen Inserenten gegenüber wie die Gebrüder Herrnfeld, Baer Sohn u. a. m., auf Sensationsartikel, wie „Wer ist Frau v. Gräfe", „Sturm in Moabit" und viele andere, die bei weiten: jene Sensationshascherei in den Schatten stellten, gegen die Bruhn in einem Artikel „Preßbetrachtungen" am 29. Dezember 1900 in der