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Im deutschen Reich · 1910-12-01 · Heft 12 (Dezember 1910) · p. 798

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 12 (Dezember 1910)
Article
Der Prozeß gegen die "Wahrheit"
Date
1910-12-01
Page
798 (sequence 5)
Language
German
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798 Im deutschen Reich. auch das stark antisemitische Zentrumsorgan, die „Germania^ gedrungen, diesen Gesinnungsgenossen non sich abzuschütteLn und zu schreiben: „Bruhn hat selber zugestanden, daß in seinem Blatt S k a n d a l e e i n s a ch erdichtet werden, falls er gerade Mangel an tatsächlichen Ereignissen aus der Chronique scandaleuse hat. Bruhn ist Mitglied des Reichstages, und er betont in jedem zweiten Satze seine Nation n l e Gesinnung, auch für sein Blatt. Die „Wahrheit^ soll auch Idealen dienen. Ich glaube, ein Verteidiger oder Bruhn selber hars gesagt, vielleicht auch sein Sachverständiger und Gesinnungsgenosse Sintern, ohne darüber in schallende Heiterkeit a u s z u b r e ch e n." Wie lächerlich ist es, daß die „Staatsbürger-Zeitimg" nach solchen für Bruhn wahrlich nicht schmeichelhaften Stammbuchblättern aus konservativen und antisemitischen Kreisen sich nicht entblödet, zu behaupten, „es sei nicht zu viel gesagt, von einer jüdischen Hetze gegen einen Antisemiten, diesmal Bruhn, 511 sprechen. Der Sensationshascher im Bruhn-Prozeß ist und bleibt die jüdisch-liberale Presse/' Wen will Herr Dr. Oesterreicher das glauben machen? Rechnet er die „Tägliche Rundschau", die sehr entschieden gegen die allgemeine Verquickung der Presse mit den Radauorganen vom Schlage der „Wahrheit" Stellung genommen hat, etwa zur jüdisch-liberalen Presse? Sie schreibt: „Selbstverständlich kann ein Blatt, wie die „Wahrheit", jede Sache, für welche es in seiner aufdringlichen Weise eintritt, n u r s ch äd i g e n. Selbstverständlich hat jeder anständige Mensch ein Recht und ein Interesse daran, es sich zu verbitten, wenn er in die Nachbarschaft eines solchen Blattes gerückt wird, das vorn planmäßig die Seute bekämpft, von denen es hinten bezahlte Anzeigen Zusammenzutreiben sucht, das als gleichzeitige Spezialitäten den Kultus der Nationalität und den Kultus der Nachtlokale, die Verfechtung des Volkstunts und die Klatscherei um intime Familienangelegenheiten betreibt." Daß Herr vr. Oesterreicher als Nachfolger Bruhns in der Redaktion der „Staatsbürger-Zeitung" seinen Vorgänger nicht preisgeben will, ist ja leicht zu verstehen. Daß er aber unfern Verein, der mit dem Bruhn-Prozesse gar nichts zu tun hatte, und die angeblichen jüdischen Gegner Bruhns gewaltsam hineiuzuzielien versucht, um für ihn Stimmung zu

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