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Im deutschen Reich · 1910-12-01 · Heft 12 (Dezember 1910) · p. 797

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 12 (Dezember 1910)
Article
Der Prozeß gegen die "Wahrheit"
Date
1910-12-01
Page
797 (sequence 4)
Language
German
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Der Prozeß gegen die „Wahrheit". 797 eignet erachtet hat. Der Angeklagte hat den zweifelhaften Ruhm, daß die „Wahrheit" allgemein ein Schrecken für die Geschäftswelt von Berlin geworden ist und in weiten Kreisen die Meinung besteht, daß durch Inserate der „Wahrheit" beizukommen ist." Der Vorsitzende des Gerichtshofes- Landgerichtsrat L a m p e, hat dagegen bei Begründung des freisprechenden Urteils eine andere Anschauung kundgegeben und erklärt: „Man muß sagen, daß die „Wahrheit" ein S e ns ati o ns b l a t t ist. In den Artikeln sind die Farben stets sehr dick aufgetragen und in manchen Füllen ist das Persönliche in den Vordergrund gestellt, was unterbleiben konnte, ohne den Artikeln sachlich Abbruch zu tun. Aber die Sensation ist noch nicht strafbar und wird auch von anderen Wochenblättern ebenso getrieben. Richtig ist, daß der Angeklagte Inserate von Firmen a u f g e n 0 m - nt e n hat, d i e e x bis dahin bekämpft hatte. Dies geschah im geschäftlichen Interesse, wie der ^Angeklagte selbst gesagt hat." Am Schlüsse führte der Vorsitzende aus, der Gerichtshof habe in allen Unklagefallen weder eine Erpressung, noch einen Erpressungsversuch für vorliegend erachtet und deshalb auf Freisprechung der drei Angeklagten erkannt. Zuletzt betonte aber der Vorsitzende noch, daß nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme dem Angeklagten auch der Borwurf eines sittlichen Makels nicht anhafte. Wenn dies zutrisft, dann ist es nicht recht zu verstehen, weshalb solche Blätter, an deren antisemitischer Gesinnung nicht zu zweifeln ist, sich beeilt haben, von Bruhn und Genossen abzurücken und trotz der Verbrämung der Artikel seines Sensationsblattes mit einzelnen „christlich-nationalen und konservativen" Wendungen über die „Wahrheit" und ihren geschäftstüchtigen Herausgeber Urteile zu fällen, die von dem Vorwurf eines sittlichen Makels nicht weit entfernt sind. Die freikonservative „Post" schrieb: „Die ernsthafte Presse der rechtsstehenden Parteien hat niemals den geringsten Zweifel darüber belassen, daß sie keine Gemeinsamkeit kennt mit Wilhelm Bruhn und seinem S k a n d a 1 b l a t t." Trotzdem Bruhn mitunter in seinem Blatte eine Art von Begeisterung für den schwarz-blauen Block bekundet hat, fühlte sich

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