Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- Die Juden im deutschen Heere
- Date
- 1910-12-01
- Page
- 791 (sequence 15)
- Language
- German
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Die Juden im deutscheil Heere. 791 bietend sein, und m a n m ü j f e s i ch bei den jüdischen Einjährig-Freiwilligen fragen, ob ihre Persönlichkeit d a z it geeignet fei, d i e Autorität vor der Front zu sichern, muß, sei diese Auslegung nun vom Kriegsminister gewollt oder nicht, dahin verstanden werden, daß die etwaige Erkennbarkeit jüdischer Abstammung in der äußeren Erscheinung einen sonst noch so geeigneten Offiziersaspiranten zum Reserveoffizier ungeeignet mache. Gegen eine solche Auffassung müssen wir nachdrücklich Verwahrung einlegen. Auch wir Jude n sind im Ebenbilde Gottes geschaffen und schämen uns ebensowenig unserer äußeren Erscheinung wie unserer Abstammung und unseres uns heiligen Glaubens. (Stürmischer Beifall.) Die Erklärung des Kriegsministers macht es künftig antisemitischen Vorgesetzten noch leichter als bisher, jüdische Offiziersaspiranten mit der Begründung, sie seien nicht geeignet, die Autorität vor der Front zu gewährleisten, von der Beförderung auszuschließen, auch ohne daß hierzu irgendein wirklicher Anlaß vorliegt. Jedenfalls, meine Herren, steht eins fest: Feindliche Waffen und Geschosse machen keinen Unterschied unter den Konfessionen, sie verwunden, zerreißen und Löten den Leib des Juden wie den des Andersgläubigen. Das muß aus den Erfahrungen der Feldzüge auch für Herrn v. Heeringen feststehen. — Und da frage ich: Ist es nicht eine schwere, wenn auch gewiß von dem Kriegsminister nicht beabsichtigte Kränkung und Beleidigung der zahlreichen gefallenen jüdischen Helden noch in ih ren G r äb ern auf den Feldern Böhmens und Frank r e i ch s , der zahlreichen Ritter des Eisernen Kreuzes, wenn ihren Glaubensgenossen ihr Aeußeres vorgehalten wird, als mache es sie ungeeignet zur Beförderung? — Ist es in einem zivilisierten Staate gerechtfertigt, daß seitens des Kriegsministers Aeußerungen fallen, die — wenn auch von ihm nicht beabsichtigt, wir ich das zu seiner Ehre annehme -— Anlaß geben können, gefallene Helden noch im Grabe zu kränken? — Wir erheben gegen solche Aeußerungen lallten Protest vor der Welt. (Stürmischer Beifall.)