Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- Die Juden im deutschen Heere
- Date
- 1910-12-01
- Page
- 788 (sequence 12)
- Language
- German
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788 Im deutschen Reich. Geh. Justizrat Cassel führte aus: Wenn wir gerade die Ausschließung der Juden vom Qffiziersstand zum Gegenstand besonderer öffentlicher Verhandlungen machen, obwohl auch auf anderen Gebieten der Staatsverwaltung in Preußen die Juden in empfindlichster Weise zurückgesetzt werden, liegt der Grund darin, daß eine Zurücksetzung im Heeresdienst uns in unserer gesetzlichen Gleichberechtigung und unserer Ehre verletzt und die weittragendsten Folgen in staatlicher und gesellschaftlicher Beziehung nach sich zieht. — Diese Zurücksetzung zeigt sich in der schlechteren Beförderung der Juden im Heere, insbesondere in ihrer tatsächlichen Ausschließung vom Offizierkorps. — Man hat hierfür zwei Gründe angegeben, den Willen des obersten Kriegsherrn und die Abneigung der Reserve- und Landwehr-Offizierkorps gegen die Zulassung von Juden, die sich bei den Reserveoffizier-Wahlen kund tue. Aber beide Behauptungen sind unrichtig. Die wirkliche Quelle ist die antisemitische Gesinnung in einem großen Teile der aktiven Offizierkorps, infolge deren die jüdischen Einjährigen in allen Etappen des Dienstes zurückgesetzt und von der Beförderung ausgeschaltet werden, so daß sie fast ausnahmslos gar nicht dazu kommen, einem Reserve-Ofsizierkorps Gelegenheit $itr Wahl zu geben. Die Einjährigen werden vielfach trotz guter Leistungen, die von den Vorgesetzten ausdrücklich anerkannt werden, öhne Begründung vom Osfiziersunterricht ausgeschlossen und nicht rechtzeitig zum Gefreiten oder Unteroffizier befördert, am Schlüsse des Dienstjahres erhalten sie die Qualifikation nicht oder, wenn dies geschieht, bleibt die Uebung A oder B regelmäßig „erfolglos", selbst dann, wenn sie im Examen gelegentlich gelobt oder gar — wie dies vorgekommen ist — von einzelnen Vorgesetzien für die besten erklärt wurden; schließlich weigern sich Bezirkskommandeure, jüdische Offiziersaspiranten, die vom Kommandeur auf Grund des Ausfalls der letzten Uebung dem Reserve-Offizierkorps präsentiert werden, zur Wahl vorzuschlagen und streichen sie von oen Listen der Aspiranten. In vielen Fällen sind solche Zurücksetzungen gegen den ausgesprochenen Willen e i n z e l n e r g e r e ch t