Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- Die Juden im deutschen Heere
- Date
- 1910-12-01
- Page
- 787 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2316602-2316791-2316803-2344069--21000-2344121- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Juden im deutschen Heere. 787 mann der Reserve; er ist seit 20 Jahren Vorsitzender des gesamten Hessischen Landeskriegerverbandes. Also dieser Jade, der heute angeblich vor einem Zuge von 20 oder 40 Mann die Disziplin nicht aufrecht erhalten könnte, ist vom Gesamtkriegerbunde des Hessischen Landes als der beste Mann erklärt und seit 20 Jahren an die Spitze des Kriegerverbandes gestellt worden. Wo bleibt da der Mangel der Persönlichkeit, wo der Mangel der notwendigen Autoritär? — Nun, wir werden nicht Nachlassen in diesem guten Kampfe. Wir werden nicht ermüden, ehe nicht dieses beschämende Ueberbleibsel mittelalterlicher Barbarei aus unserm Vaterlande und aus unserm Heere entfernt worden ist. Ich rufe Sie auf: Scharen Sie sich alle mit moralischer und materieller Unterstützung um uns, um diesen Kampf Zum guten und glücklichen Ende Zu führen. Die Ausschließung der Juden ist ja nur eine andere Seite desselben Geistes, der bis vor wenigen Jahrzehnten die Bürgerlichen für unfähig erklärte, im Offizierkorps zu dienen, der noch heute auch ihnen zum überwiegenden Teile die höchsten Stellen im Heere verschließt, derselbe rückwärts gewandte, der Vergangenheit angehörige, der Gegenwart entgegengesetzte Geist in den entscheidenden Stellen unseres Volkes. Das größte Verdienst des modernen Geistes ist es, daß er sagt: Der Mensch muß bewertet werden nach dem, was er ist. Nicht wie er geboren ist, nicht nach dem, was er hat, nicht nach dem, was seine religiöse Ueberzeugung ist, sondern nach dem, was er leistet, soll seine Stellung im Leben bestimmt werden. Daß dieser moderne Geist, der in anderen zivilisierten Ländern längst den Sieg davongetragen hat, in Preußen und in Deutschland noch nicht zur Herrschaft gelangt ist, ist tief bedauerlich. Wenn wir also für Gleichberechtigung unserer Glaubensgenossen auf diesem Gebiete kämpfen, kämpfen mir zugleich für die Ehre und das Ansehen unseres teuren deutschen Vaterlandes, mtb das muß uns in unserm Kampfe festigen und stärken. Nicht nur für die erhabene Idee der Gleichberechtigung, nicht nur für die Rechte des Judentums und der Judenheit kämpfen wir, nein, w i r k ä m p s e n a u ch f ü r u n s e r d e u t s ch e s V a t e rla nd, und i n d i e se m Zeichen mü ssen und werden w i r siege n. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.)