Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- Die Juden im deutschen Heere
- Date
- 1910-12-01
- Page
- 786 (sequence 10)
- Language
- German
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786 Im deutschen Reich. aus dem Boden der Verfassung; es sei nicljt wahr, daß das religiöse Moment bei der Nichternennung von Juden zum Osfiziersstand irgendwie einen Einfluß habe, man werde jeden einzelnen dieser Fülle, die zum Teil von verblüffender Offenheit find, sorgsam prüfen. — Es geschah nichts. Da trat der berühmte Bülow-Block ins Leben; dadurch erhielten die Liberalen einen gewissen Einfluß auf die höchsten Regionen, und da erließ Kriegsminister v. Einem die Verfügung vom 10. Juni 1908, die an das frühere Verbot der Rücksichtnahme auf konfessionelle Gründe erinnert und die Rechtswidrigkeit der Zurücksetzung nusspricht. Aber bald kam der Umschwung, der Block fiel, dafür tauchte der schwarz-blaue Block, die Vereinigung des Zentrums mit den Konservativen, auf, und nun ist auf einmal der Kriegsminifter ganz anderer Gesinnung als sein Vorgänger. Herr v. Heeringen verbeugte sich in der Reichstagssitzung vom Februar 1910 vor der antisemitischen Gesinnung., eines Teiles des deutschen Volkes, die, wie er sagte, eine Ernennung von Juden zu Reserveoffizieren unmöglich mache. Jüdischen Offizieren soll „die Persönlichkeit" fehlen, die berühmte preußische Disziplin aufrecht zu erhalten. — Gewinnt diese „Persönlichkeil" aber an Autorität, wenn sie sich, wie wir es leider nur zu oft erleben müssen, einer Heuchelei schuldig macht und sieh taufen laßt? Gewinnt die Disziplin dadurch, wenn ein Jude dem Namen nach zum Ehristentum Übertritt? Verwandelt sich dadurch seine Persönlichkeit wie mit einem .Zauberstabe? Und wie ist' es denn in sämtlichen übrigen Heeren der zivilisierten Welt? Warum haben da die Juden die nötige Persönlichkeit und die nötige Autorität, um die Disziplin aufrecht zu erhalten? Und warum hatten sie sie auch bei uns in Preußen bis zum Jahre 1889, und erst seit 1889 nicht mehr? Ist die jüngere jüdische Generation, die von Kindheit an turnt und jeder Art körperlichen Sports huldigt, entarteter als die vor 1889? Es ist einfach eine Unwahrheit, wenn man dergleichen! ausspricht. Verzeihen Sie, wenn ich da etwas starke Ausdrücke gebrauche; aber der Unwille über ein solches Verfahren muß schließlich den einzelnen fortreißen. (Lebhafte Zustimmung.) Demgegenüber möchte ich zunr Schlüsse noch ein Beispiel aus denn praktischen Leben zitieren. Ein Israelit aus Worms avaneierte 1870 im Kriege zum Leutnant, später zum Haupr-