Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- Die Juden im deutschen Heere
- Date
- 1910-12-01
- Page
- 785 (sequence 9)
- Language
- German
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Die Juden irrt deutschen Heere. 785 aber man behandelt sie mit Hohn und Spott und setzt sie hinter ihre christlichen Kameraden zurück. Ebenso ist es im Sanitätskorps. Früher gab es viele und ausgezeichnete jüdische Militärärzte im aktiven Heere; sie haben sich tadellos geführt, niemals ist die geringste Klage laut geworden, vor allem ist keinerlei Schwierigkeit etwa in der Frage der Disziplin hervorgetreten. Seit dem Jahre 1885 aber wird kein Jude mehr zum aktiven Militärarzt ernannt, und das, obwohl fortwährend der größte Mangel bei Besetzung dieser Stellen besteht. I m I a h r e 1909 w a r e n 900 Stellen im Sanitätskorps des preußischen Heeres nicht besetzt! Trotzdem gewann man es nicht über sich, den Juden den Zutritt zu gestatten; man verletzte lieber die Interessen des Heeres und des Vaterlandes, nur um den Juden nicht Zulassung zum Militärarzt zu gewähren. Zur Reserve natürlich und zur Landwehr muß man .die jüdischen Aerzte zülassen, weil man im Kriege nicht Tausende von ärztlichen Stellen unbesetzt lassen, also die Juden nicht entbehren kann, da ist man gerecht aus Zwang, aus der brutalen Notwendigkeit heraus. Und das alles geschieht, obwohl Seine Majestät, der Kaiser und König gerade das Gegenteil verordnet hat. Die Kaiserliche Kabinettsorder, daß die Wahl zum Offizier von der Konfession unabhängig bleiben solle, ist von seiten des Offizierkorps unausgeführt geblieben. Wo bleibt da die berühmte Disziplin des preußischen Heeres? Wo bleibt da dieberühmte blinde Unterwerfung unter den Willen des obersten Kriegsherrn? Es scheint im Heere genau so zuzugehen wie sonst auf dem Gebiete der Politik: Und der König absolut, wenn er unfern Willen tut! Wir sind gegenüber diesen Mißständen nicht untätig geblieben, wir haben uns sowohl an den Kriegsminister als auch wiederholt an hervorragende Reichstagsabgeordnete gewendet und dabei die Unterstützung mehrerer Vertreter des Freisinns und des Zentrums gefunden, die die Beschwerden und berechtigten Forderungen der Juden im Reichstag zur Sprache brachten, und zwar nicht mit leeren Phrasen, sondern mit Anführung von Einzelfällen, die ihnen aktenmäßig übermittelt worden waren. Lange Jahre erhielt man darauf nur ausweichende Antworten: die Regierung stehe auch in militärischer Beziehung