Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- Was erschwert unsere Arbeit?
- Date
- 1910-12-01
- Page
- 775 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Was erschwert unsere Arbeit? 775 unseres Vereins, sich mutig dem stetig wachsenden Antisemitismus entgegengeworfen Hütte, das wird sich jeder allein ausmalen können. Wir haben ja gesehen, wohin wir mit dem passiven Verhalten, mit der Leisetreterei der letzten Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts gekommen sind! Eine weitere Ursache des unser Fortschreiten hindernden Jndifferentismus ist die immer noch bei vielen vorhandene Scheu vor einer offenen Aussprache mit Christen. Wer in der Agitation steht, der weiß, wie viele durchaus achtbare Juden sich dadurch zur Untätigkeit bestimmen lassen, daß sie glauben, sie könnten bei ihren christlichen Mitbürgern Anstoß erregen. ..Quieta non movere”', das ist noch immer ihrer Weisheit letzter Schluß. Ist es doch vor kurzem vorgekommen, daß in einer ansehnlichen Gemeinde, wo wir bis dahin gar nicht Fuß gefaßt hatten, eine größere Anzahl Juden ihren Beitritt zum Central-BereiN davon abhängig machte, daß keine öffentlichen Versammlungen mit Vorträgen veranstaltet würden. Sie fürchteten nämlich, es könnte dadurch das bisherige friedliche Zusammenleben mit den christlichen Mitbürgern gestört werden. Wir sollen Friedensstörer sein! Wir, die wir im Vertrauen auf das Gerechtigkeitsgefühl unserer christlichen Mitbürger immer wieder an ihren gesunden Menschenverstand appellieren, immer wieder ihnen zurufen: „Hört uns nur, dann werdet Ihr schließlich uns auch gerecht werden!" Wir sollen dadurch das friedliche Zusammenleben gefährden? Welche Verkennung der Verhältnisse und der menschlichen Natur! Wo immer ich mit Christen über unsere Sache gesprochen habe — und ich suche jede Gelegenheit dazu — habe ich noch stets zum wenigsten interessierte Aufmerksamkeit gefunden und noch nie haben solche Gespräche mit einem Mißton geendet. Unter Christen ist viel mehr Interesse für jüdische Angelegenheiten vorhanden, als man gewöhnlich glaubt. In letzter Zeit hat mir z. B. ein Christ einen von ihm 'käuflich erworbenen Nordauschen Vortrag, und ein anderer die Sternsche Sammlung: „Lichtstrahlen aus dem Talmud" als besonders gehaltvoll empfohlen. — Tretet nur in maßvoller, würdiger Weise an Eure christlichen Volksgenossen heran, sucht sie zu belehren und ihre oft falschen Ansichten zu berichtigen