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Im deutschen Reich · 1910-12-01 · Heft 12 (Dezember 1910) · p. 774

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 12 (Dezember 1910)
Article
Was erschwert unsere Arbeit?
Date
1910-12-01
Page
774 (sequence 4)
Language
German
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774 Im deutschen Reich. von Ehriften ausgehende Sammlung eine offene Hand, aber nichts für unseren Verein übrig haben! Der Talmud spottet einmal: „Der Israelit gibt zum Ban der Stiftshütte, rvie zur Verfertigung des goldenen KalbesG Das trifft wohl rroch heute zu, nur nicht, soweit die wichtigsten jüdischen Interessen gefördert, werden sollen. — Man vergleiche damit die Opferwilligkeit der Arbeiter für ihre Ziele. Fragen wir nun, warnin so viele Inden teils ganz abseits stehen, teils so wenig Eifer zeigen, so finden wir mancherlei Ursachen dieser beschämenden Erscheinung. Da ist zunächst der Pessimismus. Man hört immer wieder den Einwurf: „Ihr quält Euch vergeblich, Ihr erreicht doch nichts!" Wie falsch ist das! Man braucht nicht einmal den idealen Grundsatz gelten zu lassen, daß das- Gute nur seiner selbst willen erstrebt werden mußauch rein praktische Erwägungen zeigen, wie unbegründet jener Einwand ist. Freilich, wer nur die Erreichung unseres letzten Zieles, d. h. der staatlichen und gesellschaftlichen Gleichberechtigung, als Erfolg gelten lassen will, den kann man vorläufig nicht widerlegen; denn davon sind wir noch sehr weit entfernt, unb niemand kann dem Zweifler mathematisch Nachweisen, ob und wann wir dieses Ziel erringen werden. Wohl aber muß jeder zugeben, daß ein großes Werk nicht ohne schwere, andauernde Arbeit geschaffen wurden kann und daß ohne solche Arbeit nie der erstrebte Zweck zu verwirklichen ist. Der Landmann, der mit harter Mühe und großen Kosten seinen Acker bestellt, weiß auch nicht, ob und was er ernten wird — und doch wird niemand ihm sagen dürfen: „Säe lieber nicht, arbeite nicht, Du weißt ja nicht, ob Deine Arbeit belohnt wird." Wer darum nicht von vornherein behaupten will, daß es schlechterdings unmöglich ist, bei uns das zu erreichen, was doch schon in so vielen Ländern tatsächlich besteht, der darf sich nicht deshalb, weil wir noch weit vom Ziele entfernt sind, von der Mitarbeit abhalten lassen. Mit bloßem Jammern und Schimpfen über den Antisemitismus ist es nicht getan; von selbst fliegen auch uns nicht die gebratenen Tauben in den Mund, und wo wir jetzt wären, wenn nicht jene kleine Zahl der damaligen Begründer

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