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Im deutschen Reich · 1910-12-01 · Heft 12 (Dezember 1910) · p. 776

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 12 (Dezember 1910)
Article
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Date
1910-12-01
Page
776 (sequence 6)
Language
German
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776 Im deutschen Reich. — Ihr braucht nicht zu fürchten, dadurch mißliebig zu werden. Noch immer gilt das wahre Wort: „Sich wehren, bringt Ehren!" Endlich ist noch ein Grund des von uns beklagten Jndifferentismus zu besprechen, ein Grund, der von allem, was uns drückt, das Bedauerlichste ist, nämlich der sogenannte jüdische Antisemitismus. Unter den sozial bessergestellten Juden sind auch jetzt noch Viele, welche glauben, besonders gerecht und achtungswert zu sein, wenn sie die unstreitig vorhandenen, gerade von uns am schärfsten verurteilten Schwächen und unlauteren Handlungen mancher Juden nach dem giftigsten Rezept der Antisemiten behandeln, das heißt, die Schuld einzelner weniger der Gesamtheit unserer Glaubensgenossen zuschieben. Sie Lun das, indem sie sich „vornehm" von uns zurückziehen, suchen ausschließlich, oder doch mit unverkennbarer Vorliebe," christlichen Verkehr und haben für uns und unsere Arbeit nichts als ein mitleidiges Achselzucken übrig. Soll ich über das Verwerfliche und Törichte einer solchen Handlungsweise noch viele Worte verlieren? Das hieße Eulen nach Athen tragen! Sie nützen sich nicht und schaden uns. In den Folgen ihres Verhaltens gegen uns sind sie nicht viel anders zu bewerten, als die Taufjuden. Es soll nicht verkannt werden, daß nicht nur die oben erörterten tadelnswerten Motive die Untätigkeit so vieler Juden verschulden. Es gibt noch andere, eher verzeihliche Gründe dafür, so besonders Unkenntnis und eine gewisse Vereins Müdigkeit. Man sollte es nicht für möglich halten, daß in Deutschland noch viele Juden leben, die nichts von unserem Verein und seinen Bestrebungen wissen. Habe ich doch noch vor kurzem den Vorsteher einer kleinen Synagogengemeinde Westpreußens gesprochen, der noch nie etwas von der Existenz des Central- Vereins gehört hat! Hier ist besonders das Feld gegeben, wo jedes unserer Mitglieder mit Erfolg wirken kann. Was schließlich die Vereinsmüdigkeit anlangt, so wissen wir ja alle, welche großen Anforderungen an uns und unfern Geldbeutel gestellt werden. Es ist eine übergroße Anzahl von Vereinen, denen wir teils aus Interesse angehören, teils auch, ans gewissen Rücksichten angehören müssen.

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