Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- Was erschwert unsere Arbeit?
- Date
- 1910-12-01
- Page
- 773 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Was erschwert unsere Arbeit? 7 j'S Mehrheit der übrigen Mitglieder? Sie zahlt einen geringen Beitrag; ein Teil Liest die Dereinszeitung, ein kleiner Teil besucht die Versammlungen und hört die Vorträge an. Damit ist ihre Tätigkeit für die Erreichung unserer hohen Ziele erschöpft. Wohl kann nicht jeder schreiben und Vorträge halten, aber jedes Mitglied k ö n n t e für die Verbreitung unserer Ideen mit Erfolg tätig sein; jeder könnte neue Mitglieder werben, jeder müßte vor a l l e m bereit fein, ein mäßiges Opfer zu bringen, w e n n es gilt, die zur Agitation, des V e r - e i n s dienenden Mittel zu vermehre n. Statt dessen finden wir bei unseren Mitgliedern nur zu oft nicht bloß Mangel an Interesse, sondern geradezu persönliche Unfreundlichkeit gegen den unbequemen Mahner. Als ob wir, die wir doch nur unsere Pflicht für die Gesamtheit erfüllen, für uns werben, für uns Geld sammeln! Tun res agiturl um E u r e Haut handelt es sich! Zum Kriegführen gehört nun einmal Geld, und Krieg führen wir doch nicht bloß gegen den Antisemitismus, sondern auch gegen die Fehler in unseren eigenen Reihen, gegen die Gleichgültigkeit und Untätigkeit unserer Glaubensgenossen. Jeder Jude, der auch nur etwas Ehrgefühl und Empfindung für seine Menschenrechte besitzt, muß empört sein, wenn er auf Schritt und Tritt Zurücksetzung, Benachteiligung und Kränkung seiner selbst und seiner Glaubensgenossen der Konfession wegen sieht, entrüstet, wenn immer und immer wieder der Staat eine Prämie auf die aus selbstsüchtigen Motiven erfolgte Judentaufe setzt. Man sollte meinen, daß unter solchen Verhältnissen schon die Gründung eines Vereins, der die Bekämpfung derartiger Zustände auf seine Fahne geschrieben hat, genügt, um ihm sofort ungezählte Tausende zuzuführen, um alle seine Mitglieder mit brennendem Eifer zu erfüllen, so daß jeder leiste, was er in seinem Kreise und nach seinen Fähigkeiten leisten kann. Wie anders sieht es in Wirklichkeit aus! Nach langjährigem Bestehen des Vereins statt wenigstens 100 000 Mitgliedern noch nicht der dritte Teil, statt Mitkämpfern zahllos e untätige Mitglieder, statt -Opferfreudigkeit hei allen unendlich viele, welche zwar für jede