Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Berlin
- Date
- 1910-11-01
- Page
- 744 (sequence 7)
- Language
- German
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744 Im deutschen Reich. weht sein; es wird nie geeignet sein, das akademische Lebenlichtvoller, freiheitlicher und menschenfreundlicher zu gestalten. — Das antisemitische Treiben des „Deutsch-nationalen H a n d l u n g s g e h i l f e n v e r b a n d e 3" hat notwendig dazu geführt, den jüdischen Arbeitgebern Mißtrauen, den vorurteilslosen christlichen Chefs Widerwillen gegen solche Handlungsgehilfen einzuflößen, die dem Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verband angehören. Von diesem Nachteil werden die Handlungsgehilfen .erst dann völlig überzeugt werden, wenn die Chefs offen erklären, daß sie zu Verbandsangehörigen kein Vertrauen haben. Vereinzelt ist dies schon geschehen. Im „Berliner Tageblatt" Nr. 396 fanden wir ein Inserat des Warenhauses E. Eckstein in Schmalkalde n, das einen tüchtigen Dekorateur und Verkäufer mit der Bemerkung suchte: „Deutsch-national ausgeschlossen"; in der Nr. 446 desselben Blattes ein Inserat des Herrn N. Klein in S e n f t e n b e r g, das ebenfalls einen Dekorateur und Verkäufer verlangte, aber hinzusügte: „Mitglieder des Deutschnationalen Verbandes in Hamburg werden nicht berücksichtigt". — Dem Jahresbericht der Ortsgruppe Danzig des D e u t s ch e n O st m arkenvereins über das Geschäftsjahr 1909 entnimmt die „Kreuzzeitung" folgende interessante Zahlen: „Von den 1001 Stadtverordneten in sämtlichen 51 westpreußischen Städten (die Gemeinden Karthaus und Czersk mit einbegriffen) waren 910 Deutsche und 91 Polen oder nach der Konfession: 668 Evangelische, 196 Katholische und 137 Juden. Am zahlreichsten sind die polnischen Stadtverordneten vertreten in Löbau mit 11 unter 18, in Czersk mit 10 unter 21, in Gorzno mit 9 unter 12, in Lessen mit 7 unter 12, in Kamin mit 6 unter 12, in Kulm mit 11 unter 36, in Lautenburg mit 6 unter 18, in Neumark mit 5 unter 18, in Könitz mit 4 unter 30, in Schwetz mit 4 unter 24, in Schöneck mit 4 unter 11." — Daß der Antisemitismus wesentlich dazu beigetragen hat, in den Kommunalverwaltungen Westpreußens das polnische Element zu verstärken, verschweigt die „Kreuzzeitung". — Das „Berliner Tageblatt" berichtet: „Der Dessauer Oberbürgermeister D r. E b e l i n g, gegen den der Führer der Fortschrittlichen Volkspartei in Anhalt, Rechtsanwalt und Notar Dr. Cohn, schwere Beschuldigungen erhoben hatte, ist