Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1910-11-01 · Heft 11 (November 1910) · p. 743

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 11 (November 1910)
Article
Berlin
Date
1910-11-01
Page
743 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2316602-2316791-2316802-2343923--20909-2344018
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Korrespondenzen. 743 gegossen und wenigstens in der .Judensragck sein Programm nicht unwesentlich modifiziert hat. Damals aber war er schroff antisemitisch, und eine ganze Reihe anderer Korporationen geriet ganz und gar in das Schlepptau. des neuen, angeblich von .hoher Stelle' begünstigten Vereins." Herr Dr. Fröhlich scheint nach dieser Aeußerung über die jetzige Wirksamkeit des Vereins deutscher Studenten ungenügend unterrichtet zu sein und insbesondere sich über die in dem Verein deutscher Studenten fortgesetzte Pflege antisemitischer Gesinnungen zu Lauschen. Dadurch, daß der Verein nicht mehr in ganz derselben Weise wie früher in die Oesfentlichkeit tritt, sind die betreffenden Verhältnisse nicht besser geworden; denn der jetzige latente Antisemitismus kann dadurch nur an Intensität gewinnen, wenn er sich von Ansbrüchen fern hält. Daß die Judensrage nicht mehr in den Vordergrund gerückt und nicht mehr laut behandelt wird, ist kein Beweis dafür, daß sie nicht mehr eine Lebensfrage für den Verein deutscher Studenten ist, sondern nur, daß dieser mit Recht auf diesem Gebiete alles erreicht zu haben glaubt, was zu erreichen war. Die Alten Herren des Vereins, die aus eine unglaubliche Ueberspannung des Nationalitütsgefühls eingeschworen waren, sind jetzt in Amt und Würden und üben in maßgebenden Stellungen einen Einfluß aus, der nicht den Radau-Antisemitismus, dafür aber wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Antisemitismus fördert und für alle einträglichen Stellungen den Ausschluß der Juden zum „ungeschriebenen Gesetz" macht. Wir haben schon bei Besprechung des gegen den Mißbrauch des Wortes „Deutsch-National" gerichteten Artikels der „Akademischen Blätter" in dem Septemberhest unserer Zeitschrift erklärt: „Es bleibt abzuloarten, ob solche Gesinnungen im .Verein deutscher Studenten' einen Widerhall finden: bisher ist davon noch nichts zu bemerken gewesen." Die Annahme des Herrn Dr. Fröhlich, daß der „Verein deutscher Studenten" „wenigstens in der Judenfrage sein Programm modifiziert" habe, ist ebenso irrtümlich wie etwa die Annahme der Bereitwilligkeit der Hintermänner der„Kreuz-Zlg." zu einer nichtantisemitischen Abänderung des judenfeindlichen Tivoli-Programms. Wie die Alten jungen, zwitschern die Jungen. Was von diesen zu erwarten ist, wird immer von dem Geiste Stöckers durch-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.