Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Berlin
- Date
- 1910-11-01
- Page
- 745 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Korresvondenzen. 745 jetzt VON der anhaltischen Staatsregrerung, Abteilung des Innern, disziplinarisch bestraft worden. Die genannte Behörde hat darin eine PflichtwidrigkeiL des Oberbürgermeisters erblickt, daß er den früheren StadtraL, jetzigen Regierungsrat Kurt Müller in Dessau veranlaßt hat, dem Referendar Ebeling bei seiner Arbeit zum Assessorexamen in der geübten Art und Weise zu helfen. Die Regierung hat deshalb die 'Disziplinarstrafe der Verwarnung über den Oberbürgermeister Dr. Ebeling verhängt und ihm gleichzeitig zu verstehen gegeben, daß es mit der Würde seines Amtes nicht vereinbar und deshalb zu mißbilligen sei, wenn er sich zu beleidigenden Aeußerungen („Banausen" mit Bezug auf die Stadtverordneten, und „Iudenlümme l" mit Bezug auf Dr. Cohn), wie sie in dem gerichtlichen Strafverfahren vor der Dessauer Strafkammer am 19. v. M. von einem Teil der Zeugen bekundet worden sind, habe Hinreißen lassen." — Die von uns im vorigen Heft dieser Zeitschrift, Seite 680, veröffentlichte Mitteilung des Wortlauts einer P o st - karte, die nach den Angaben der „Deutschen Tageszeitung", der „Deutsch. Sozialen Blätter", der „Staatsbürger-Zeitung" und der „Germania" ein Jude einem Hotelbesitzer in Binz aus Rügen gesandt haben soll, hat ein Vereinsmitglied in Crefeld veranlaßt, uns folgendes zu schreiben: „Bei dieser Sache ist ein Faktum übersehen worden. Sie bringen diese Karte in 21 Drucklinien. Selbst wenn der Schreiber ein guter Kalligraph ist, was doch bei dem Deutsch zu bezweifeln, ist es doch eine große Leistung, auf eine Karte den von Ihnen gedruckten Teil zu bringen. Schon aus diesem Grunde ist es ausgeschlossen, daß ein Jargon redender Glaubensgenosse diese Karte geschrieben haben könnte; außerdem finde ich, daß dieses Deutsch mit dem „Daitsch" eines Jargons wenig Aehnlichfeit hat." — Am 8. Oktober ist der langjährige erste Vorsitzende des „Deutschen Antis-emitenbundes", Wilhelm Kretzer, im Alter von 66 Jahren einem Schlaganfall erlegen. — Geschäftliche Mißerfolge als Zeitungsverleger, die hauptsächlich in seinem nicht erwiderten Vertrauen auf Gleichgesinnte wurzelten, machten diesen an der sogenannten „Berliner Bewegung" hervorragend beteiligten Antisemiten allmählich zu einen: politisch stillen Mann.