Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-11-01
- Page
- 737 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316791-2316802--20901-2344012- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. ba% Zentrum auch bei andern Gelegenheiten sich der Ueberzeugung nicht verschließen, daß es bei dem Schutz der Rechte der Minoritäten sein eigenes Interesse mit vertritt, dagegen bei dem Zusammengehen mit Politikern, die unverhüllt dem Rassenhaß oder mindestens den Rassenvorurteilen huldigen, die eigenen Interessen kaum zu wahren in der Lage ist, weil man in diesen Kreisen den semitischen Einschlag des Christentums ebenso verhöhnt wie das Judentum. Einem der exaltiertesten Vertreter dieser rassefanatischen Richtung haben die „Deutsch-Sozialen Blätter" ihre Spalten zu einer Artikelserie geöffnet, die „Israel als Erziehe x" überschrieben ist und deren Verfasser sich „Cato" nennt. Dieser Cato will durch ein Gegengebilde der Alliance israelite, einen „Nicht - Juden - Vund", allen Nichtjuden, also auch den Katholiken, dasselbe Rassegefühl einimpfen, von dem er faselt, daß .es den Juden angeboren sei. Dazu fühlt er sich verpflichtet, weil er die arischen Völker davor bewahren will, „daß sie in fremdem Blut ihren Untergang finden." Als sein Endziel bezeichnet der unbekannte Menschenfreund „das Volksgrab Judas", auf das er einst Schillers Worte aus der „Sendung Moses" in goldenen Buchstaben gesetzt sehen möchte: „Wir müssen in ihm (dem Judentum) den Kanal verehren, den die Vorsicht erwählte, uns das edelste aller Güter, die Wahrheit zuzuführen — den sie aber zerbrach, sobald er geleistet hatte, was er sollte." Zu diesen Worten fügt der „Cato" der „Deutsch-Sozialen Blätter" nicht etwa sein Bekenntnis zum Christentum, sondern zu der Irrlehre des Nass e n hass e s hinzu: „Unter der Wahrheit, die Juda brachte, verstehen aber die sehend und mündig gewordenen Völker die große, ihnen verkündigte Lehre vom Raffende g r i f f." Für eine andere und bessere Wahrheit, die nicht aus die Pseudo-Wissenschaft der ganz unzulänglichen Rassentheorien hinzielt, sondern die echte Wissenschaft pflegen will, von der Humboldt gesagt hat, „daß sie aus dem Innern stammt und ins Innere gepflanzt wird, die Charaktere schafft", ist inzwischen von weit höherer Stelle in erfolgreicher Weife geworben worden. Bei der