Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-11-01
- Page
- 734 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316791-2316802--20898-2344009- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
734 Jrn deutschen Reich. g a n z e G l e i ch b e r e ch ti g u n g s p r o g r a m m der I u - den unterschreiben und praktisch gleich ins Werk setzen soll. Es ist nicht nur töricht, zu verlangen, daß ein Mensch sich mit ein ein Male ganz und gar umkrempele, es ist auch taktisch in hohem Grade ungeschickt, ein so wertvolles Zugeständnis nicht anerkennend entgegenzunehmen. Es wäre aber nicht das erstemal, daß die sogenannte jüdische Presse durch Ungeschicklichkeit der Sache, die sie verteidigen will, ganz empfindlich schadet." Daß Organe, die bereit sind, für die Sammlungspolitik des Reichskanzlers zu werben und ihre Anhänger unter Führung der Konservativen geschlossen gegen die links stehenden Parteien Vorgehen zu lassen, den Sammelruf des konservativen Blattes mit „Befriedigung" aufnehmen würden, war natürlich weit eher zu erwarten als eine besondere Hofsnungsseligkeit der Juden, deren Optimismus durch die bitteren Erfahrungen der letzten Jahrzehnte sich nahezu verflüchtigt hat. Auf dem n a t i o n a l l i b e r a len Kasseler Parteitage hat zwar am 30. September der Abgeordnete Bassermann unter stürmischem Beifall der Anwesenden an einen Ausspruch Bennigsens erinnert, wonach ein sich auf Konservative und Ultramontane stützendes Regierungsshstem für Preußen wie für Deutschland lebensgefährlich sei, aber das hindert große nationalliberale Kreise nicht, agrarische und antisemitische Wahlkandidaten zu unterstützen. So sollen im Reichs tagsw a h l k r e i s e W e i m a r die Nationalliberalen neuerdings die Absicht kundgegeben haben, die Wiederaufstellung des konservativ-antisemitischen Oberamtsrichters Graes zu fördern. Auch in anderen thüringischen Wahlkreisen wird für ein Bündnis mit Agrariern und Antisemiten unter „nationaler" Flagge Stimmung gemacht, und in den Kreisen der westdeutschen G r o ß i n d u st riet l e n wird der Widerwille gegen eine Freihandelspolitik und eine weitere Ausdehnung der Sozialreformen benutzt, den Zug nach links zu hemmen. Bon allen Parteien werden schon jetzt Vorbereitungen für eine frühzeitige energische Reichstagswahl-Agitation getroffen. Insbesondere rühren sich die Deutsch-Konservativen um die infolge der mächtig angeschwollenen sozialdemokratischen Strömung zu erwartende Abbröckelung ihrer Mandate nicht nur durch die Anbiederung bei den Nationalliberalen, sondern