Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Soldatenmißhandlungen
- Date
- 1910-11-01
- Page
- 730 (sequence 6)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 730 gen zweifellos entschieden überschritten und Die Mannschaften in ihrer p e r s ö nliche n Eh r e verletzen mußten. Es ist weiter erwiesen, daß einige Fehler vorgekommen sind, die über die Grenze der tätlichen Nachhilfe hinausgehen und geeignet waren, von M iß- Handlungen d e r M a n n s ch a f t e u sprechen zu lassen. Es mag sein, daß die erwähnten Aeußerungen der Erregung des Augenblicks entsprungen sind. Das mag sie einigermaßen erklären, aber nicht entschuldigen. Insoweit ist das, was in dem Briefe an Weller behauptet worden ist, teilweise n a ch g e w i e s e n. Im übrigen aber bleiben die Beleidigungen bestehen. Was den Fall Berrer anlangt, so zeigte die Art und Weise seines Vorgehens nirgends eine ungerechte Behandlung des Angeklagten. Die Eingabe enthält erhebliche Angriffe auf die Ehre des Obersten. Das Gericht gelangte zu dem Ergebnis, daß der Zweck der Eingabe nicht Wahrung berechtigter Interessen war, sondern die Absicht, sich zu rächen. Wegen der Beleidigung gegen Berrer hat das Gericht aus 1 Monat und 15 Tage, in dem Fall Weller aus 3 Wochen Gefängnis erkannt. Der Angeklagte nahm das Urteil mit großer Gelassenheit entgegen. Eine große Anzahl von Zuhörern, darunter sehr viele ehemalige Angehörige des Regiments 9^ 1^80 begleitete Oberleutnant a. D. Gramm bis zum Hot» /Z'^üd verabschiedete sich von ihm mit einem d r e i f a ch e n'-.Zch ch aus seine Person. Gramm will gegen das Urteil Revision einlegen. Der Gang der Verhandlungen ist an dieser Stelle deshalb nach den Berichten württembergischer und bayerischer Blätter ziemlich ausführlich wiedergegebeu, weil sich daraus entnehmen läßt, daß die in der Kompagnie des ehemaligen Hauptmanns Weller dienenden Mannschaften und insbesondere die jüdischen Soldaten, die in dieser Kompagnie dienten, aus Angst vor den Folgen etwaiger Beschwerden eine schlimme Behandlung so geduldig ertragen haben, daß man davon nichts erfahren haben würde, wenn nicht Oberleutnant Gramm, sei es aus persönlichen Gründen oder aus Mitleid mit den Mannschaften, mit seinem Hauptmann in einen ernsten Konflikt geraten wäre. Die Behauptung des Majors Weller, daß er die Juden nicht anders behandelt habe, wie die andern