Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Soldatenmißhandlungen
- Date
- 1910-11-01
- Page
- 731 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau. 731 Mannschaften, dürfte unbestritten bleiben, weil die letzteren auch nicht auf Rosen lagen. Die Soldaten jüdischen Glaubens mußte jedoch jedes Schimpfwort noch empfindlicher berühren, weil es stets mit dem Hinweis auf ihre Abstammung imb ihre Religion verbunden war. Gegen derartiges sollte die Heeresverwaltung aufs Schärfste einschreiten, wenn sie sich von den Tendenzen Scharnhorsts nicht vollständig lossagen will. A. L. ao Jahr 1910 geht zur Rüste; rauhe- Herbststürme fegen das letzte dürre Laub von den Bäumen, und wie das Firmament fast beständig umwölkt ist, so scheint auch der Politische Horizont verdüstert. Für den deutschen Juden hat das seinem Ende nahende Jahr manche arge Enttäuschung gebracht; denn sie sahen die Verwirklichung der ihnen feierlich zugesagten und verbrieften Gleichberechtigung in unabsehbare Ferne gerückt. Aber was sie noch mehr drückt als ihr besonderes Leid, das ist der tiefe Zug der Unzufriedenheit, der weite Kreise der deutschen Bürgerschaft erfaßt hat und wesentlich darauf zurückzuführen ist, daß die Staatsverwaltung unter dem Einfluß bevorzugter Kasten sich auf rückschrittliche Bahnen drängen ließ, aus denen ebensowenig die Gleichberechtigung aller pflichttreuen Staatsbürger wie die Wohlfahrt aller Bolksklassen gedeihen kann. Die Staatsverwaltung, die dadurch anscheinend bereits in eine Sackgasse geraten ist, trifft dabei eigentlich nur der Borwurf, daß sie, die sonst keine besondere Vorliebe für den Parlamentarismus bekundete, nicht rechtzeitig eine durch antisemitische und agrarische Jrrlehrer künstlich erzeugte Strömung Henaute, deren verhängnisvolle Folgen sie voraussehen konnte und mußte. Sie beugte sich aber den Parlamentsmehrheiten, die ihr keineswegs als wirkliche Vertretungen des Volkswillens gelten konnten, imb sieht erst jetzt, nachdem bei den Nachwahlen in den verschiedensten Kreisen die Mandate sämtlich der extremsten Partei zugefallen sind, daß die Parteien, bcueu sie alle möglichen Zugeständnisse machte, mehr und mehr den Boden in den Volkskreisen verlieren. Diese ge-