Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Soldatenmißhandlungen
- Date
- 1910-11-01
- Page
- 727 (sequence 3)
- Language
- German
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SoldaLenunßhmdluugen. frühere Oberst v. Berrer, jetzt Bezirkskommandeur in Ludwigsburg; der Beklagte war der Oberleutnant a. D. G r a m in, der im württembergischen Jnfanterie-Regt. Nr. 180 stand, in dem früher beide Kläger seine Vorgesetzten waren. Die Beleidigung Wellers soll in einem Briese enthalten sein, den Gramm nach seiner Verabschiedung an Weller geschrieben hat und worin dem Adressaten vorgehalten war, daß er über Gramm animose, ehrverletzende und qualisikationsschädigende Aeußerungen gegenüber Kameraden gemacht habe. Gramm hat ferner an den württembergischen Kriegsminister von Marchtaler einen Bericht erstattet, durch den sich Oberst v. Berrer beleidigt gesuhlt. In der viertägigen Verhandlung über diese Beleidigungsklagen kamen recht unerquickliche Dinge zur Sprache. Weller habe grobe Schimpfworte gegen seine Leute gebraucht und habe auch Mannschaften mit der Hand geschlagen, sie mit den Stiefeln auf die Absätze getreten und mit dem Gewehrkolben ins Gesäß gestoßen. Gramm habe schließlich ein Abschiedsgesuch mit der Begründung einaereicht, daß sich seine Anschauungen nicht mehr mit den im Offizierkorps herrschenden decken. Dieses Gesuch habe Oberst v. Berrer mit der Bemerkung zurückgewiesen, daß er bei einer solchen Begründung keine Hoffnung aus Versorgungsansprüche oder Gnadenerweisungen haben dürfte. In seinem zweiten Abschiedsgesuch habe er dann nur gesagt, daß die Lust und Liebe zu seinem Berufe in ihm ertötet worden sei. Das Gesuch sei dann genehmigt worden. Generalmajor v. Berrer erklärte, daß man anfangs mit den Leistungen Gramms zufrieden gewesen sei, aber später infolge ungünstiger Berichte über diese Leistungen sein Urteil habe ändern müssen. Er habe mit beiden Offizieren viele Schwierigkeiten gehabt, da von Weller entschieden bestritten wurde, jemals Untergebene mißhandelt zu haben. Im Verlauf der Verhandlung mußte Weller aber zugeben, daß ihm Generalmajor v. Seidel einmal vor versammelter Mannschaft zugerufen habe: „Behandeln Sie Ihre Leute anständig; bei Ihnen hört man ja immer nur Geschrei und Geschimpfe. Die Mannschasten sind doch auch Menschen, die ein Herz im Leibe haben." Er behauptete aber, sich nicht erinnern zu können, beschimpfende Ausdrücke gebraucht zu haben. Leutnant a. D. Friedrich,