Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Soldatenmißhandlungen
- Date
- 1910-11-01
- Page
- 726 (sequence 2)
- Language
- German
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726 Im deutschen Reich. stehen. Das Thema der Zurücksetzung der Juden im Heere ist ebenso aktuell wie das der Soldatenmißhandlungen. Wie und in welchem Umfange von solchen traurigen Verhältnissen die Soldaten jüdischen Glaubens betroffen werden, das dringt nur in Einzelfällen an die Öffentlichkeit, wenn durch Mißhandlungen oder schwere Beschimpfungen etwa ein Unglücklicher in Verzweiflung versetzt und durch das tief verletzte Ehrgefühl zum Selbstmord getrieben wird. Es wäre aber dringend zu wünschen, daß allen derartigen Füllen nachgegangen und ohne Furcht vor den Folgen die Flucht in die Öffentlichkeit versucht würde. Eine Besserung der Verhältnisse dürste dann nicht ausbleiben, denn die Erfahrung hat gelehrt, daß im Allgemeinen die Soldatenmißhandlungen seltener geworden sind, seitdem vor etwa 20 Jahren einige krasse Fälle die Generalkommandos zu humanen Erlassen veranlaßten. Aber es hat den Anschein, als ob die antisemitische Strömung, die manche andere Kreise erfaßte, auch in der Armee sich vielfach neuerdings geltend mache und zu Beschimpfungen führe, welche einen ehrliebenden jüdischen Soldaten in tiefster Seele verwunden müssen, weil sie seine Glaubensgemeinschaft mit berühren. Die Uniform als Ehrenkleid sollte die deutschen Juden, die ihrer Dienstpflicht genügen, den christlichen Kameraden völlig gleichstellen, während sie jetzt mitunter eine Sonderbehandlung durch einen Vorgesetzten der Mißachtung der ganzen Kompagnie preisgibt. Die militärische Disziplin und die Besorgnis, durch Beschwerden ihre Stellung möglicherweise noch zu verschlimmern, lassen sie dann manches stumm ertragen, so daß davon wenig bekannt wird. Das Wenige sollte aber stets der weitesten Oesfentlichkeit unterbreitet werden, damit keinem jüdischen Soldaten die Dienstzeit zur Leidenszeit wird, sondern bei allen nur freundliche Erinnerungen zurückbleiben. Die „Schwäbische Tagwacht" hat dieser Tage unter der Ueberschrift „Ein Blick ins O s f i z i e r § l e b e n" in ausführlichster Weise über eine Beleidigungsklage berichtet, über die die Strafkammer des Landgerichts in Stuttgart vom 3. Oktober an vier Tage hindurch verhandelte. Kläger waren der preußische Major Weller, der derzeitige Bataillonskommandeur im Jnfanterie-Regt. Nr. 132 in Straßburg, und der