Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Unsere akademische Jugend
- Date
- 1910-11-01
- Page
- 721 (sequence 13)
- Language
- German
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Unsere akademische Jagend. 721 entgegenftehenden Schwierigkeiten überwunden sind — weiter nicht schwierig. Die „alten Herren" der jüdischen Korporationen und die sonstigen ortsanwesenden jüdischen Akademiker, die zugleich dem Eentral-Berein angehören, würden sicherlich bereit sein, die feste, ständige Leitung dieser Vereinigungen zu übernehmen, und durch die aktiven Mitglieder der jüdischen Verbindungen, deren es ja an den größeren Universitäten meist zwei und mehr, in Berlin sogar ein halbes Dutzend gibt, wäre ein fester Stamm gegeben, der schon zu Beginn des Semesters auf dem Platze sein könnte, um eine zielbewußte Arbeit im Sinne unserer Bestrebungen zu beginnen und die Freistudenten sowie die Mitglieder der paritätischen Verbindungen als Mitglieder zu gewinnen. Die rechtliche Zulässigkeit solcher Gebilde steht — seitdem akademische Ortsgruppen des Evangelischen Bundes zugelassen worden sind — selbst bei der gegenwärtig so veralteten Universitätsgesetzgebung außer jeder Frage. Falls dennoch eine Unsicherheit entsteht, braucht die Bereinigung sich überhaupt nicht bei der Universitätsbehörde eintragen zu lassen, sondern kann sich außerhalb der Hochschule bilden, wo sie der allgemeinen Vereinsgesetzgebung unterworfen ist. Freilich groß sind die Schwierigkeit e u, die der Gründung selber im Wege stehen. Es ist ein offenes Geheimnis, daß in vielen Universitätsstädten das Verhältnis zwischen den verschiedenen jüdischen Verbindungen alles andere eher als herzlich oder auch nur freundschaftlich ist, und von den Streitigkeiten, die sogar zu Verrufserklärungen und Zweikämpfen führen, dringt nicht selten etwas in die Qeffentlichkeit. Der Eingeweihte weiß von diesen häßlichen Zuständen ein nur allzu langes und allzu trübes Lied zu singen. Diese Zwistigkeiten bringen es eben mit sich, daß es nie gelingt, die gesamte jüdische Studentenschaft unter einen Hut zu bringen und für eine gemeinsame Aufgabe zu begeistern. Solche Zänkereien schaden aber dem Judentum, mindern seine Stärke im Innern und untergraben sein Ansehen nach außen. Den Luxus einer Z e r s p l i t t e r u n g und A u f - re ib u ng uns e re r b e sten Kraste in f r u ch t l o s e m i n u e r e n K' a m pfe k ö n n e n ro i r u n s auf d e ui g e s ä h r d e t e n a k a d e m i s ch c u Bode u n o ch tv e u i g e r a l s i m b it rgerli ch e n L eben lei st e n! Solche Streitigkeiten beizulegeu, ja besser noch im Keime zu ersticken, mun