Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Unsere akademische Jugend
- Date
- 1910-11-01
- Page
- 720 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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720 Im deutschen Reich. für ein selbstbewußtes Judentum zu gewinnen, darf keinesfalls eine Entschuldigung dafür sein, daß diese Gruppe von Juden bisher, noch nicht mit der erforderlichen Sorgfalt behandelt worden ist. Denn es sind Juden, die meist nicht der böse Wille, sondern nur Unkenntnis und ein falscher Idealismus von unseren Reihen fernhalten, es sind Juden, die wir nicht von uns stoßen, sondern für unsere Sache gewinnen wollen. Unüberwindlich sind die Schwierigkeiten freilich nicht. An kleineren Universitäten, wo sich jüdische Studenten überhaupt und damit sowohl jüdische Freistudenten wie auch Angehörige paritätischer Korporationen nur in kleinen Mengen finden, bedarf es gewiß nur dieses Hinweises an die Adresse der bestehenden Ortsgruppen, um sie zu veranlassen, sich der nicht leichten Ausgabe zu unterziehen, in jedem Semester aufs neue das fluktuierende Element der Studenten als Mitglieder zu gewinnen oder sie wenigstens zu allen Veranstaltungen heranzuziehen. Für die größeren Universitäten aber, an denen eine bedeutendere Anzahl von Juden studiert, sollte man einmal ernstlich der Frage nähertreten, ob es sich nicht verlohnt, besondere akademische Ortsgruppen mit eigenen Vorständen und Veranstaltungen zu s ch affen. Es soll keineswegs verkannt werden, daß sich diesem Wunsche fast unüberbrückbare Schwierigkeiten entgegenstellen, und daß die Erfahrungen, die der Central-Verein mit dem Zusammenfassen der jüdischen Studenten aller Schattierungen bisher gemacht hat, nicht gerade zu den freudigsten Hoffnungen berechtigen. Aber wenn auch die Verwirklichung noch in weiter Ferne steht, soll die Aufmerksamkeit der beteiligten Faktoren immer wieder darauf gelenkt werden. Denn nur solche Gebilde könnten sich den spezifisch studentischen Anschauungen und Anforderungen in rechter, nutzbringender Weise anpassen; nur sie wären in der Lage, die vornehmlich in dem fortwährenden Universitätswechsel und dem dadurch bedingten schnellen Wandel des Mitgliederbestandes liegende Schwierigkeit erfolgreich zu überwinden, während die allgemeine Ortsgruppe, die mit weit stabileren Mitgliederoerhältnissen rechnet, dies nicht mit der erforderlichen Energie zu tun in der Lage ist. Die Organisation einer solchen akademischen Abteilung ist — sobald die der Gründung selbst