Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Unsere akademische Jugend
- Date
- 1910-11-01
- Page
- 722 (sequence 14)
- Language
- German
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722 Im deutschen Reich. und kann mit eine Hauptaufgabe einer akademischen Ortsgruppe sein, sofern ihre Gründung eben nicht schon an diesen Differenzen scheitert. Zu ihrer Lösung, bedürfte es gar keiner schiedsrichterlichen Autorität, sondern es ist zu hoffen, daß die gemeinsame Arbeit aller Richtungen das Verständnis fördert, den Blick auf das Große lenkt und so dazu beiträgt, die Nichtigkeit und Unwichtigkeit der üblichen Streitursachen aufzudecken. Gelänge einer akademischen Ortsgruppe weiter nichts, als daß sie alle Eifersüchteleien und Eigenbröteleien unterdrückte und den dauernden Frieden in der jüdischen Studentenschaft aufrecht erhielte, so hätte sie durch diese Tat ihre Existenzberechtigung und Notwendigkeit vollauf erwiesen. Und mögen wir auch leider von dieser Einigkeit noch recht, recht weit entfernt sein, dringend notwendig ist es, nicht nur immer wieder das Augenmerk auf das Ziel zu lenken, sondern auch auf den einzigen Weg, der dorthin führt, mit Nachdruck hinzuweisen. Die jüdische Jugendbewegung ist einst von Akademikern ausgegangen, denn jüdische Studenten waren es, die sich zuerst von allen Schichten der jüdischen Jugend auf . bewußt jüdischer Grundlage organisierten. Heute hat die allgemein e Jugendbewegung eine große Bedeutung und Ausdehnung angenommen, hat die jüdische Jugend geeint, und die akademische scheint insofern etwas ins Hintertreffen geraten zu sein, als es nur ein Bruchteil der Studenten ist, der sie zugute kommt. Die Jugendbewegung, die nichts anderes bedeutet als die Erhaltung der Jugend für das Judentum und damit die Erhaltung des Judentums selber, auf eine breitere Basis zu stellen, ist ein unbedingt notwendiges Ziel, zu dessen Erreichung jedes redliche Mittel recht und keine Mühe zu groß sein darf. Der einzige Weg zum Ziele ist uns nun klar vorgezeichnet! Denn abhängig ist diese Arbeit in erster Reihe davon, in welchem Maße es gelingt, den Wirkungskreis der Ideen und praktischen Best r e b u n g e n des Ce n t r a l - V e r e ins d u r ch e i f r i g r Ar beit a n f a k a d em t s ch cm Boden z n v e r g r ö ß er n, it nd d a d u r ch die a k a d e m i s ch e I u g e n d zu eine r e i n h e i t l i ch e n n n d einigen M a s s e v o n M' i t st r e i t e r n u m z u g e st a l t e n.