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Im deutschen Reich · 1910-11-01 · Heft 11 (November 1910) · p. 718

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 11 (November 1910)
Article
Unsere akademische Jugend
Date
1910-11-01
Page
718 (sequence 10)
Language
German
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718 Im deutschen Reich. Kampf um Recht und Ehre des Judentums rettungslos verloren. Wer diese enge Verbindung mit dem Renegaten nicht als entwürdigend, demoralisierend und schimpflich empfindet, ist persönlich wegen seines Mangels an Feingefühl und Ehreulpsinden außerordentlich zu bedauern. Der. Standpunkt eines solchen jüdischen Studenten, die Abstumpfung seiner Begriffe von Freundschaft und Ehre, hat aber auch für die Allgemeinheit eine einschneidende Bedeutung. Man stelle sich die Größe der Gefahr vor, wenn im öffentlichen Leben des Judentums, in Gemeinden und Vereinen, Leute einen Einfluß gewinnen, die aus ihrer Studentenzeit derartige Begriffe von Moral und Ehre besitzen. Woher soll ihnen überhaupt Interesse für ihre Gemeinschaft entstehen, woher der sittliche Ernst und das Verantwortungsgefühl, das gerade dem modernen Juden so not tut! Nur wenn man weiß, welcher Geist in so manchen dieser Verbindungen herrscht, welche Erziehung die jungen Juden dort genießen, versteht man recht, warum gerade unter den jüdischen Akademikern die Taufseuche so erschreckend um sich frißt und zerstört. Der Einwand, den man machen könnte, daß es unter den „alten Herren" paritätischer Verbindungen so manchen gibt, dessen Name im jüdischen Leben unserer Zeit mit Hochachtung genannt wird, trifft nicht zu. Erstlich ist zu wiederholen, daß nur einer Anzahl, nicht aber allen paritätischen Verbindungen der Borwurf gemacht werden soll, daß sie ihre Mitglieder systematisch auf Wege leiten, die fernab vom Judentum oder aus ihm hinausführen. Ferner bringen manche Leute einen so gediegenen Fonds an Charakter mit in das akademische Leben, daß er vor jeder Anfechtung gesichert ist. Schließlich lagen aber auch in früheren Jahrzehnten, aus denen diese Männer meist stammen, die Verhältnisse wesentlich anders als jetzt, und damals, als die chauvinistische Verhetzung aus akademischem Boden noch nicht die Siedehitze von heute erreicht hatte, fanden sich tatsächlich zuweilen Christen und Juden in gegenseitiger Hochachtung und Duldung einträchtig in denselben Vereinen zusammen, so daß diese Männer aus wirklich paritätischen Vereinen stammen. Jene Zeiten sind schon lange, lange vorüber, und die würdelose Haltung so vieler „Paritätischer" Verbindungen von heute ist am allerwenigsten geeignet, sie wieder herbeizuzaubern. Die Söhne

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