Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1910-11-01 · Heft 11 (November 1910) · p. 717

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 11 (November 1910)
Article
Unsere akademische Jugend
Date
1910-11-01
Page
717 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316791-2316802-2343919--20876-2343992
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

U.-fcrc afai>emi|djc Jugend. 717 jüdischen Studenten ausüben! Wie muß diese künstliche Züchtung einer fast sklavenhaften Unterwüriigleit und dcriecherei den Maßstab für jede persönliche Tüchingkeit und Ehrenhaftigkeit zum Schwinden bringen! Fest muv sich in den Anschauungen der jüdischen Mitglieder der Gedanre einnisten, daß der Jude einem Andersgläubigen gegenüber minderwertig sei/und so bilden sich die Leute heran, dre frei nach dem Worte Heines, das Judentum weder als eine Religion noch eine Nation sondern als ein Unglück betrachten und demgemäß verfahren. Aber es kommt zuweilen noch besser! Da heute christliche Studenten sich äußerst selten, ja fast niemals solchen Korporationen anschließen, gibt es leider manche paritätische Verbindung, die auch solche Christen heranzieht, mit denen man unter normalen Verhältnissen nicht verkehren würde, die von Korps, Burschenschaften und sonstigen antisemitischen Verbänden — zuweilen sogar aus ehrenrührigen Gründen — hinausgeworfen worden sind. Und daß der innige Verkehr und die Freundschaft mit solchen Gestalten der Charakterbildung des jungen Juden nicht sonderlich zugute kommt, kann ohne weitere Ueberlegung als ganzsicher gelten. Wenn aber schließlich alle Stränge reißen, wenn sich durchaus kein Christ, nicht einmal solch ein moralisch minderwertiger finden will, der sich durch die flehenden Lockungen der paritätischen Verbindung erweichen läßt, dann bleibt als letzter Notnagel übrig der getaufte Jude! Das ist ein kleines Kapitel für sich! Von einer „paritätischen" Verbindung erzählt sich der Berliner Studentenwitz, daß sie in jedem Semester den am hervorragendsten begabten Fuchsen auf Vereinskosten taufen lasse! In diesem Scherz steckt ein bitterer Ernst, denn auch solche „Christen" sind sehr willkommen. Man schlage die Verzeichnisse „Alter Herren" vieler Vereine aus, und man wird erstaunt sein, wie viele Renegaten sich dort finden, die teils von den Korporationen wegen ihrer „christlichen" Religion mit weitgeöffneten Armen ausgenommen, teils auch durch die genossene Derbindungserziehung auf die schiefe Bahn des Abfalls gedrängt worden sind. Ein jüdischer Student nun, der eine besondere Ehre darin sucht, mit einem ehemaligen Glaubensgenossen Lchmollis zu trinken und sich an ihn durch die Bande der Freundschaft und Bundestreue 51t ketten, ist sür den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.